Die halbe Stadt rätselt darüber, wer die anonyme Spenderin des Mode-Schatzes für den guten Zweck ist. Auch wir wissen nicht, wer sie ist. Aber wie sie ist.
Das Anstellen in langen Schlangen macht Wienern normalerweise („Zweite Kassa bitte!“) keine Freude. In der Gumpendorfer Straße war das diese Woche anders. Gut gelaunt stellten sich Menschen über Blocks hinweg bis zur Hausnummer 36 an, um sich dort in der kleinen Pop-up-Boutique der Volkshilfe umsehen zu können. Wildfremde kamen miteinander ins Gespräch, aber sie hatten ja Gemeinsamkeiten – das Interesse an Mode und natürlich die Frage: Wer könnte die anonyme Spenderin sein, die ihre Modesammlung von über 5000 exquisiten Stücken dem guten Zweck stiftete?
Wer immer sie ist – sie liest hier vermutlich mit
Die Zusicherung von Anonymität war eine Grundbedingung der Spenderin, als sie vergangenen Herbst von sich aus die Volkshilfe mit ihrer Idee kontaktierte – und tatsächlich halten dort alle eisern dicht. Gerade deshalb können wir den Schleier aber ein wenig lüften: Fest steht, dass die Spenderin die Berichterstattung aufmerksam verfolgt, denn sie hat sich am Mittwochabend bei der Volkshilfe gemeldet, um sich für die „großartige Arbeit“ und dafür zu bedanken, dass bei der Wahrung der Anonymität Wort gehalten wurde.
„Mit Begeisterung“ habe sie vor allem Berichte darüber verfolgt, dass ihr Beispiel Schule macht. Und auch die Frage, warum sie anonym bleiben wollte, hat sie aus der Ferne beantwortet: Die Sache solle im Vordergrund stehen, dabei hätte ihr Name nur gestört.
Das Rätsel um die Identität der Wohltäterin bleibt damit weiter ungelöst, fest steht aber: In einer Welt, in der der Satz „Tu Gutes und rede darüber“ allgegenwärtig ist – und oft genug eigentlich „Tu Gutes, nur wenn du darüber reden kannst“ heißen müsste –, zeigt sie, wie Wohltätigkeit zum Mitmachen animiert: erkennen, worauf man verzichten kann, es mit anderen teilen, und all das mit guter Laune und Freude daran. Nicht umsonst wirkt ihr Beispiel so ansteckend.
Dass unsere Wienerin der Woche ein großes Herz, guten Geschmack und Schuhgröße 38,5 hat, wussten wir schon. Nun wissen wir auch, dass sie ein kluger Kopf obendrein ist.
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