14.05.2014 11:33 |

Prozess-Neuauflage

Fall Peggy: 2003 Verurteilter nun freigesprochen

In Deutschland ist der geistig Behinderte Ulvi K. im erneuten Mordprozess um die seit 13 Jahren verschwundene Peggy freigesprochen worden. Das Landgericht Bayreuth hob am Mittwoch die frühere Verurteilung des 36-Jährigen wegen Mordes an dem Mädchen auf. "Er ist aus tatsächlichen Gründen freizusprechen - ein Tatnachweis ist nicht möglich", sagte der Vorsitzende Richter Michael Eckstein.

Das Gericht folgte damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Zahlreiche Zuschauer im Gerichtssaal reagierten mit Applaus auf das Urteil. Peggy wird seit dem 7. Mai 2001 vermisst, zwei Jahre später wurde Ulvi K. zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Landgericht Hof sah es damals als erwiesen an, dass der Sohn eines Gastwirts die neun Jahre alte Schülerin im oberfränkischen Lichtenberg tötete, um einen sexuellen Missbrauch zu vertuschen. Die Leiche des Mädchens wurde allerdings nie gefunden.

Im Dezember 2013 schließlich ordnete das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens an. Denn ein Belastungszeuge hatte eingeräumt, falsch ausgesagt zu haben. Beim damaligen Prozess war außerdem nicht bekannt gewesen, dass die vermutete Tatversion der Ermittler dem Geständnis von Ulvi K. ähnlich war. Der Verdacht lag also nahe, dass der Angeklagte nur eine ihm vorgegebene Version wiedergegeben hat. Später widerrief er seine Angaben.

"Sein Geständnis ist mit keinem Sachbeweis zu belegen"
"Das Geständnis mit Divergenzen und Ungereimtheiten kann keine Grundlage für eine Verurteilung sein", sagte Richter Eckstein. "Hinzu kommt noch, dass dieses Geständnis mit keinem einzigen Sachbeweis zu belegen ist." Ulvi K. habe demnach sein Geständnis in unterschiedlichen Versionen mit zum Teil lebensfremden Schilderungen abgegeben. Der Angeklagte habe möglicherweise Parallel-Erlebnisse in seine Geständnisse eingebaut, erklärte Eckstein. Bei der psychiatrischen Untersuchung von Ulvi K. sei seine hohe Fantasiebegabung aufgefallen.

Seit Sommer 2012 wird in dem Fall neu ermittelt. Eine Spur brachte die Polizei auf einen Mann aus Halle in Sachsen-Anhalt. Der ehemalige Bekannte von Peggys Familie sitzt derzeit wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter in Haft. Er habe eingeräumt, sich auch mehrmals an seiner Nichte vergangen zu haben, gab ein Polizeibeamter an. Auffällig daran ist, dass die Nichte im gleichen Haus wie Peggy wohnte und der Missbrauch wenige Wochen vor Peggys Verschwinden stattfand. In der Haftzelle des Mannes fanden Polizisten ein Foto von Peggy. Zum Kreis der Tatverdächtigen zählen außerdem der Halbbruder des Mannes und ein weiterer Ortsbewohner, der bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt wurde.

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