Die Dimensionen des Reichtums von Multimilliardären wie Elon Musk erreichen zunehmend surreale Ausmaße. Wie aktuelle Datenanalysen zeigen, wird der SpaceX- und Tesla-Chef mittlerweile fast dreimal so reich taxiert wie der Zweitplatzierte. Experten sagen allerdings: Dieser Unterschied ist mittlerweile rein abstrakter Natur.
Ein Blick auf die reine Mathematik der Reichtumsverteilung zeigt ein Paradoxon. Laut vorliegenden Daten verfügt der auf Platz zwei liegende Google-Mitgründer Larry Page über mehr als 230 Milliarden Euro, Elon Musk besitzt mehr als 620 Milliarden Euro. Auf Platz vier liegt laut dem aktuellen „Forbes“-Ranking Amazon-Gründer Jeff Bezos (ca. 206 Mrd. Euro) knapp vor Oracle-Gründer Larry Ellison (207 Mrd. Euro).
Rein rechnerisch steht der Multimilliardär Page damit einem Menschen, der gar nichts besitzt, näher als Elon Musk. Doch dieser numerische Befund trügt über die sozioökonomische Realität hinweg – während im unteren Einkommensbereich jeder Euro den Lebensstandard massiv beeinflusst, leben Superreiche natürlich ähnlich. Auch wenn Musk fast dreimal so reich ist wie sein „Verfolger“.
Das Prinzip des abnehmenden Grenznutzens
Finanzwissenschafter erklären dies mit dem abnehmenden Grenznutzen von Vermögen. Der Unterschied zwischen einem Habenichts und einem Menschen mit einem kleinen Vermögen von wenigen hunderttausend Euro ist existenzsichernd und definiert den Lebensstandard.
Der gigantische rechnerische Abstand zwischen Musk und Page hingegen hat auf den persönlichen Alltag und Konsum kaum Auswirkungen. Beide haben die Sättigungsgrenze des privaten Konsums längst überschritten – für beide sind alle käuflichen Güter jederzeit verfügbar.
Geld wird zu Macht
Ab einer gewissen Dimension wandelt sich die Funktion des Vermögens. Die zusätzlichen Milliarden, die Musk gegenüber Page besitzt, fließen nicht in einen „besseren“ Lebensstil, sondern repräsentieren unternehmerische und politische Gestaltungsmacht. Ob Investitionen in Raumfahrtprogramme oder die Kontrolle über Kommunikationsplattformen: Das Kapital wird zum reinen Instrument für Einflussnahme, losgelöst von klassischen Konsumbedürfnissen.
Auch für den reichsten Österreicher, Mark Mateschitz, gilt diese Logik. Mit geschätzten 37 Milliarden Euro – sein Vermögen besteht primär aus der Beteiligung am Energydrink-Hersteller Red Bull – liegt er zwar weit hinter den US-Tech-Giganten zurück. Doch in der Lebensrealität bewegt sich auch der Red-Bull-Erbe in einer Sphäre, in der materieller Mangel de facto ausgeschlossen ist und Vermögenszuwächse primär die unternehmerische Schlagkraft erhöhen, nicht jedoch den persönlichen Wohlstand fühlbar steigern.
Illiquidität an der Spitze
Zudem relativiert sich der Abstand durch die Struktur der Vermögen. Da diese fast vollständig aus Aktienpaketen bestehen – etwa an Tesla oder Alphabet -, handelt es sich um „Papierwerte“. Ein Versuch, die theoretische Differenz von fast 400 Milliarden Euro durch Verkäufe zu realisieren, würde massiven Kursdruck auslösen und damit das Vermögen selbst schrumpfen lassen.
Dieser Unterschied zwischen Nennwert und realisierbarem Vermögen ist auch steuerpolitisch relevant, etwa in der Debatte um Erbschaftssteuern auf Betriebsvermögen. Da das Vermögen in Unternehmensanteilen gebunden ist, müssten Erben im Falle hoher Steuerforderungen oft Anteile verkaufen. Dies könnte die Eigentümerstruktur von Unternehmen verändern, da die Mittel nicht als Barvermögen vorliegen.
Diese Illiquidität steht auch im Zentrum der internationalen steuerpolitischen Debatte. Kritiker der aktuellen Systeme, wie etwa das Tax Justice Network oder Ökonomen um Gabriel Zucman, fordern eine stärkere Besteuerung von Superreichen. Die Gegenseite argumentiert mit der Problematik der „unrealisierten Gewinne“: Da das Vermögen nicht als Geld vorhanden ist, müssten Unternehmer für die Begleichung einer Substanzsteuer Anteile verkaufen. Dies könnte nicht nur Aktienkurse drücken, sondern auch Eigentümerstrukturen und Stimmrechte in Unternehmen verändern. Außerdem würden sie beim Verkauf von Aktien Kursgewinne realisieren, die wieder zu versteuern wären. Viele Milliardäre umgehen dieses Dilemma, indem sie ihre Aktien nicht verkaufen, sondern als Sicherheit für Kredite nutzen („Buy, Borrow, Die“-Strategie), um so Steuern auf Kursgewinne zu vermeiden oder aufzuschieben.
Statistische Verzerrungen
Auch am unteren Ende der Skala ergeben sich statistische Verzerrungen. In gängigen Rechnungen, wie sie oft von NGOs angestellt werden, gelten Menschen mit Schulden als die Ärmsten der Welt, da ihr Nettovermögen negativ ist. Dies führt zu dem statistischen Paradoxon, dass ein US-Student mit Studienkredit rechnerisch ärmer erscheint als ein Bauer in einem Entwicklungsland, der schuldenfrei eine Ziege besitzt. Faktoren wie Humankapital und zukünftige Einkommenschancen bleiben in der reinen Nettovermögensrechnung oft unberücksichtigt.
Für den Vergleich des Wohlstandsniveaus zwischen Ländern ist zudem die Einbeziehung staatlicher Sicherungssysteme entscheidend. Während in den USA privates Vermögen für die Altersvorsorge essenziell ist, erwerben Bürger in Ländern wie Österreich durch hohe Abgaben Ansprüche an das staatliche Pensionssystem. Diese Anwartschaften tauchen in klassischen Vermögensstatistiken nicht auf, stellen aber einen wesentlichen ökonomischen Wert dar, der den realen Wohlstand beeinflusst.
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