Die zweifache Snowboard-Olympiasiegerin Anna Gasser ist am Montag im Olympia-Finale in ihrer Paradedisziplin Big Air nicht über Rang acht hinausgekommen. Die 18-jährige Olympia-Debütantin Hanna Karrer landete in Livigno auf Platz zwölf.
Die 34-jährige Kärntnerin stürzte im ersten Versuch und zeigte auch im zweiten keine saubere Landung. Die erste Big-Air-Olympiasiegerin der Geschichte, die nicht Anna Gasser heißt, ist die Japanerin Kokomo Murase.
Mit einem weiteren Gold-Coup wäre Gasser zur ersten Snowboarderin avanciert, die bei drei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen denselben Bewerb gewinnt. Dass ihr der Hattrick verwehrt bleibt, stand bereits nach dem zweiten von drei Sprüngen fest. Österreichs dreimalige Sportlerin des Jahres kam zum Auftakt beim Switch Frontside 1260 zu Sturz, stand damit bereits unter Druck. Gasser versuchte denselben Trick im zweiten Durchgang noch einmal, stand ihn zwar, landete aber erneut nicht sauber.
„Ich glaub‘, es wird noch ein bisschen dauern, bis ich das wirklich verdaut habe“, sagte Gasser in einer ersten Reaktion im ORF. Österreichs Medaillenhoffnung war in der Saisonpause von einer im Juli erlittenen Schulterverletzung zurückgeworfen worden. „Ich war nicht die Favoritin, mit der Verletzung im Vorfeld ist mir auch ein bisschen Training abgegangen“, erklärte Gasser. „Ich habe aber immer gesagt, die Chance lebt. Wenn ich den ersten Sprung gestanden hätte, wäre wirklich alles möglich gewesen.“
„Ich kann mir nichts vorwerfen“
Die riskante Taktik sei die richtige gewesen. „Ich habe gewusst, dass ich ‘all-in‘ gehen muss, wenn ich mir das Level anschaue. Wenn ich etwas Sichereres gemacht hätte, wäre ich Fünfter oder Sechster, das hätte mir dann auch nichts gebracht.“ Sie sei beinahe stolz, dass sie immer noch dabei gewesen sei. „Ich habe vielleicht nicht alles zeigen können, was ich draufhabe. Aber ich habe gekämpft, dass ich überhaupt wieder fit bin. Ich kann mir nichts vorwerfen, ich habe alles probiert.“
Die Medaille war bereits vor dem Finallauf außer Reichweite. Gasser eröffnete diesen mit einem Backside Doublecork 1080, vor dem sich die „Grande Dame“ des Snowboard-Sports in die Kamera verbeugte. „Ich wollte den letzten Versuch noch ein bisschen genießen.“ Für ihren aller Voraussicht nach letzten Big-Air-Sprung bei Olympischen Spielen erhielt die mit Abstand älteste Teilnehmerin am Zwölfer-Finale 76,25 Punkte. Am Ende kamen insgesamt 121,25 Zähler in die Wertung. Bei der von Gasser geförderten Steirerin Karrer, der jüngsten Athletin im gesamten österreichischen Olympia-Team, waren es nach Stürzen in den beiden abschließenden Sprüngen 89,00.
Die Steirerin hatte mit einem Frontside Doublecork 1080 begonnen, für den sie 65,50 Punkte erhielt. Danach landete sie beim versuchten 1260er aber zweimal im Schnee. „Ich bin im Großen und Ganzen sehr stolz auf mich“, sagte Karrer. „Ich werde da noch mehr dran arbeiten, und dann wird es gut gehen.“
Murase siegte vor Sadowski-Synnott
Gold holte wie bei den X-Games Murase. Die 21-Jährige setzte sich in einem packenden Finale mit insgesamt 179 Zählern vor der Neuseeländerin Zoi Sadowski-Synnott (172,25) und der überraschend starken Südkoreanerin Yu Seung-eun (171) durch. Sadowski-Synnott hatte bereits vor vier Jahren in Peking hinter Gasser Silber im Big Air gewonnen. Im Slopestyle hatte sich die Ausnahme-Snowboarderin damals aber bereits vergoldet.
Auch für Gasser steht nach ihrer Paradedisziplin Big Air in Livigno in einer Woche noch der olympische Slopestyle-Bewerb auf dem Programm. Die fünffache X-Games-Siegerin war in der Saisonpause von einer im Juli erlittenen Schulterverletzung zurückgeworfen worden. Ob sie ihre Karriere über die Winterspiele hinaus fortsetzen wird, hatte sie zuletzt offengelassen. Am Fuß der Schanze gab es im Finaldurchgang jedenfalls herzliche Umarmungen für ihre Konkurrentinnen.
„Es wäre abnormal, wenn ich das dritte Mal Olympia gewonnen hätte“, meinte Gasser. „Ich freue mich, dass ich die Krone jetzt weitergeben kann. Das ist würdig und gut für den Sport.“ Murase sei eine würdige Nachfolgerin.
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