Vergangenen Juni wurde jener Türke, der Baumeister-Witwe Simone Lugner in einem Wiener Einkaufszentrum mit dem Tod bedroht hatte, zur Überraschung vieler freigesprochen. Wie die „Krone“ erfahren hat, soll der Beschuldigte wenig später drei Zufallsopfer in verstörenden Taten verletzt haben. Heute wird darüber verhandelt.
Die Staatsanwaltschaft Wien führt folgende Angriffe an: Am 3. Oktober soll der Mann einen Passanten, der ihn auf etwas aufmerksam gemacht hatte, zu Boden gebracht haben, dem Opfer anschließend eine Holzlatte über den Hinterkopf gezogen haben. Zwei Wochen später folgten laut Anklage weitere Attacken auf Zufallsopfer, diesmal bei der U-Bahn-Station Zieglergasse im 7. Bezirk. Einem Passanten soll der Angreifer unvermittelt ein Küchenmesser mit acht Zentimeter langer Klinge in den linken Oberschenkel gestoßen haben. Am selben Tag versetzte er laut Staatsanwaltschaft einer Frau, die auf der Rolltreppe stand, einen Stoß gegen ihren Kopf, sodass diese rückwärts auf die Rolltreppe fiel.
Opfer hatten Schutzengel
Drei furchtbare Attacken in der Bundeshauptstadt, die wie durch ein Wunder nicht zu ganz schweren Verletzungen führten. Jede für sich hätte aber fatal ausgehen können.
Doch wer ist der heimtückische Angreifer? Jedenfalls für die Justiz kein Unbekannter. Der 30-jährige Türke mit Wurzeln in Tirol wurde erst vor wenigen Monaten im Wiener Landl vom Vorwurf der gefährlichen Drohung freigesprochen. Der Fall sorgte damals für Aufsehen – war das Opfer, das er mit dem Tod bedroht hatte, doch Simone Lugner, die Witwe von Baumeister Richard Lugner.
Kam nicht zum Prozess, schwänzte Gutachter
„Ich bring euch alle um!“, hatte der Mann im Dezember 2024 im Wiener Gasometer geschrien, schlug dabei mit den Fäusten gegen eine Glaswand – als Simone gerade zu Gast in einer Radiosendung war. Danach schmiss er auch noch Stühle eines nahegelegenen Lokals durch das Einkaufszentrum. An beiden angesetzten Verhandlungstagen blieb der Angeklagte dem Strafprozess fern, auch beim Psychiater wurde er nicht vorstellig, eine Vorführung gelang ebenfalls nicht.
Der Richter verhandelte in Abwesenheit des Mannes und kam zu dem Schluss: „Das ist keine gefährliche Drohung.“ Für das Delikt bräuchte es rechtlich eine Waffe oder Geste, um das Gesprochene zu verdeutlichen. „Er hat das gesagt und ist weggelaufen“, fasste Herr Rat zusammen. Es setzte einen viel beachteten Freispruch. „Das nunmehrig angeklagte Verhalten bestätigt die große Verwunderung über den damaligen Freispruch“, kommentiert Lugners Anwalt Florian Höllwarth die neuerlichen mutmaßlichen Straftaten des Türken.
Das nunmehrig angeklagte Verhalten bestätigt die große Verwunderung über den damaligen Freispruch.

Lugners Anwalt Florian Höllwarth
Bild: Eva Manhart
Jetzt droht Anstaltsunterbringung
Heute Vormittag kann sich der Mann vor seinem nunmehrigen Prozess nicht drücken. Allerdings wird er nicht als Angeklagter vor dem Schöffensenat Platz nehmen, sondern als Betroffener. Denn ein psychiatrisches Gutachten, das zwischenzeitlich endlich durchgeführt wurde, ergab, dass der Mann an paranoider Schizophrenie leidet. Ihm droht eine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum auf unbestimmte Zeit.
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