„Krone“-Kommentar

Vor einem Jahr, da war alles gänzlich anders

Kolumnen
05.01.2026 10:35

Welche Ruhe innenpolitisch doch zwischen Weihnachten und Dreikönig in Österreich herrscht! Das ist allerdings nicht immer so. In jüngerer Vergangenheit haben wir rund um den Jahreswechsel mehrfach Regierungsbildungen erlebt. Auch vor einem Jahr, als sich dann plötzlich und nicht so erwartet die ersten Tage des Jahres 2025 zu den innenpolitisch turbulentesten entwickelten.

Rund um das erste Wochenende 2025 wurde das Land politisch total durcheinandergewirbelt, obwohl man vor und zum Jahreswechsel noch von vielen Seiten davon ausgegangen war, dass eine von Karl Nehammer geführte Dreier-Regierung (man nannte sie wegen der bunten Zusammensetzung damals „Zuckerl-Koalition“) spätestens nach dem Dreikönigstag „stehen“ würde.

Brief an die „Krone“-Leser: Klaus Herrmann, Geschäftsführender Chefredakteur
Brief an die „Krone“-Leser: Klaus Herrmann, Geschäftsführender Chefredakteur(Bild: Krone KREATIV/Imre Antal, stock.adobe.com)

Aber am 3. Jänner ließen die Neos die türkis-rot-pinken Koalitionsverhandlungen platzen. Es fühle sich gut an, bekam man von den Neos zu hören, nachdem sie die Regierungsbildung gesprengt hatten.

Tags darauf warf ÖVP-Chef Karl Nehammer hin, zog sich als Parteichef zurück und kündigte an, auch nicht mehr als Kanzler zur Verfügung zu stehen. Und plötzlich stand Sebastian Kurz ein paar Stunden lang als Nachfolger seines Nachfolgers in den Startlöchern. Vor allem aus Niederösterreich bekam Kurz massive Unterstützung von seiner Partei, aus anderen ÖVP-Bundesländern jedoch deutlich weniger. Und schon war das Comeback wieder Geschichte.

Eine Nacht danach, am 5. Jänner, also genau heute vor einem Jahr, galt der nunmehrige Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer vormittags als Favorit auf die ÖVP-Spitze, auf die schließlich ein paar Stunden später sehr überraschend Christian Stocker klettern sollte.

Und Wahlsieger Herbert Kickl schien plötzlich doch noch als Bundeskanzler gesetzt. Eine von Nehammer ausgeschlossene blau-türkise Koalition galt plötzlich als realistisch, vor allem, nachdem Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Dreikönigstag 2025 doch noch über seinen Schatten springen musste und Kickl mit der Regierungsbildung beauftragte.

Wie das ein paar Wochen später endete – das wissen wir.

In Erinnerung bleibt: Es waren die turbulentesten Tage der österreichischen Innenpolitik. Genießen wir die Neujahrs- und Dreikönigsruhe ein Jahr später. Es wird nur eine Ruhe vor den nächsten Stürmen sein.

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