Die Zahl rechtsextremer Straftaten hat im Vorjahr laut Innenministerium noch einmal um ein Drittel zugenommen. 2025 gab es demnach 1.986 Anzeigen wegen rechtsextremistischer, fremdenfeindlicher beziehungsweise rassistischer, islamfeindlicher oder antisemitischer Tathandlungen, hieß es am Samstag in einer Aussendung. Die rechtsextremen Straftaten haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, 2022 waren es noch knapp 1.000.
Von den fast 2.000 Anzeigen im Vorjahr betrafen 1.701 explizit rechtsextreme Vorfälle, zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ durch Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). Dazu kamen 127 Tathandlungen mit rassistischem Hintergrund, 93 waren laut Statistik antisemitisch motiviert und 16 islamophob. Die explizit rechtsextremen Straftaten spielten sich mit 28 Prozent nur zu einem vergleichsweise geringen Teil im Internet ab, bei den rassistisch motivierten Taten waren es über die Hälfte und bei den antisemitischen fast drei Viertel.
Die meisten Anzeigen gab es auch diesmal wieder in Wien (485), gefolgt von Oberösterreich (350), Niederösterreich (298), Salzburg (160), Vorarlberg (147), der Steiermark (146), Kärnten (126), Tirol (113) und dem Burgenland (43). 118 Fälle waren keinem Bundesland zuordenbar.
Weniger Jugendliche angezeigt
Insgesamt wurden 2025 über 1.500 Personen wegen rechtsextremer Straftaten angezeigt, um über ein Drittel mehr als im Jahr davor. Über 90 Prozent der Angezeigten waren männlich, 81 Prozent österreichische Staatsbürger. Der Anteil Jugendlicher unter den Angezeigten ist zuletzt zurückgegangen (2025: 16 Prozent, 2024: 25).
Das Innenministerium betonte in seiner Aussendung, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung rechtsextremer Aktivitäten in letzter Zeit verstärkt wurden: Demnach gab es im vergangenen Jahr insgesamt 277 Hausdurchsuchungen (inklusive freiwilliger Nachschauen) und 75 Festnahmen, 2024 waren es noch 260 bzw. 53.
„Der Verfassungsschutz geht konsequent gegen jede Form von Extremismus vor“, wurde Karner zitiert. Auch die gerade begonnenen Arbeiten der Bundesregierung am Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus wurde betont. Dieser soll die bestehenden Maßnahmen von Innen-, Justiz- und Bildungsministerium, Ländern sowie Zivilgesellschaft bündeln und effizienter machen.
SPÖ: „Nicht an steigende Zahlen gewöhnen“
Sabine Schatz, die als SPÖ-Sprecherin für Erinnerungskultur seit Jahren regelmäßig die Zahl der rechtsextremistischen Straftaten im Innenministerium abfragt, zeigte sich in einer Aussendung von der Entwicklung alarmiert. „Wir dürfen uns nicht an steigende Zahlen gewöhnen“, betonte sie und forderte „eine Politik, die hinschaut und handelt“. Konkret forderte Schatz neben einer klaren politischen Haltung auch ausreichend Ressourcen für Präventionsarbeit, politische Bildung und Beratungsstellen und eine konsequente Strafverfolgung. Der Nationale Aktionsplan gegen Rechtsextremismus sei eine wichtige Grundlage für eine wirksame Präventions- und Interventionsarbeit.
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