Seit Monaten kämpft die Journalistin und zweifache Mutter Lisa Ulitzka um ihre beiden Kinder, die vom Vater nach Ägypten gebracht wurden und dort festgehalten werden. Nun spricht sie im krone.tv-Interview ausführlich darüber, wie sich ihr Exmann schrittweise radikalisiert habe – und welche Rolle Prediger und Moscheen in Wien dabei gespielt haben.
Kennengelernt haben sich die beiden 2011 während des Arabischen Frühlings in Kairo. „Er war liberal, offen und stand für Freiheit und Demokratie“, erinnert sich Ulitzka. 2014 heiratete das Paar, zog nach Wien, baute sich hier ein gemeinsames Leben auf. Ihr Mann eröffnete eine Zahnarztpraxis, die Familie schien angekommen.
Doch ab 2023 veränderte sich ihr Mann zunehmend. Er hörte Online-Prediger, engagierte sich stark in Wiener Moscheen. Bald folgten Forderungen: Die Tochter solle keine kurzen Hosen mehr tragen, Ulitzka keinen Badeanzug, später ein Kopftuch. Reisen und berufliche Abendtermine wurden infrage gestellt. „Dabei hat er mich genau so kennengelernt“, sagt sie.
Hasspredigten als Wendepunkt
Besonders alarmierend sei der Druck auf die Kinder gewesen. Religiöse Sprüche mussten aufgesagt werden, Gebete wurden erzwungen. „Meine sechsjährige Tochter wollte einmal einen Spruch nicht sagen – er sagte, sie sei dem Teufel verfallen“, berichtet Ulitzka. „So etwas traumatisiert ein Kind.“
Erst im Nachhinein begann Ulitzka, die Predigten jener Moscheen zu analysieren, die ihr Mann besuchte. „In einer wurde offen salafistisch gepredigt“, sagt sie. Dort sei unter anderem Hass gegen Juden, Christen und Schiiten verbreitet worden, besonders nach dem 7. Oktober. Frauen würden aufgefordert, sich von der Mehrheitsgesellschaft fernzuhalten.
Christen nicht zu Feiertagen gratulieren
Zudem werde vermittelt, Christen nicht zu ihren Festen zu gratulieren und ausschließlich islamische Feiertage anzuerkennen. „Das steht im krassen Gegensatz zu dem, was selbst führende islamische Autoritäten in muslimischen Ländern lehren“, betont Ulitzka und verweist auf aktuelle Aussagen des Großimams der Al-Azhar-Universität, der Respekt gegenüber Christen und Juden ausdrücklich einfordere. In Wien hingegen werde, so Ulitzka, teils Hass auf Juden und Schiiten gepredigt.
Kritisch sieht sie auch die mangelnde Kontrolle: Zwar müssten Freitagspredigten übersetzt werden, „doch von 40 Minuten werden oft nur zehn übersetzt – und Sie können sich vorstellen, dass das das Harmloseste ist“.
„Der Staat muss genauer hinschauen“
Ulitzka fordert eine deutlich stärkere staatliche Kontrolle von Moscheen in Österreich. In Ländern wie Ägypten dürften Freitagspredigten ausschließlich von staatlich zertifizierten Imamen gehalten werden, etwa von der renommierten Al-Azhar-Institution. In Österreich hingegen stünden nicht alle Moscheen unter der Aufsicht der islamischen Glaubensgemeinschaft, manche – darunter salafistische – entzogen sich weitgehend jeder Kontrolle. Es müsse klar geprüft werden, wer predigt, welchen ideologischen und politischen Hintergrund diese Imame haben und was konkret vermittelt werde.
Familie auseinandergerissen
Die Radikalisierung habe wesentlich zum Zerbrechen der Familie beigetragen. Der Vater brachte die Kinder nach Ägypten, entgegen gerichtlicher Entscheidungen. „Diese Ideologie hat meine Familie zerstört“, sagt Ulitzka.
Immerhin gibt es Bewegung: Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter, der Vater ist in Österreich zur Fahndung ausgeschrieben. „Das gibt mir Hoffnung.“
Ulitzka fordert mehr Kontrolle und Konsequenz: „Radikalisierung beginnt nicht mit Anschlägen, sondern mit Ideologien.“ Der Staat müsse genauer hinschauen, wer in Moscheen predigt – und was dort vermittelt wird. „Sonst werden diese Probleme immer größer.“
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