Das neue Jahr beginnt für die österreichische Justiz mit einem Mammutprogramm: Zahlreiche Prozesse gegen bekannte Persönlichkeiten und brisante Wirtschaftsfälle stehen bevor – darunter der mutmaßlich größte Spionagefall der Zweiten Republik, mehrere prominente Politiker und ein Großverfahren gegen die Immobilienbranche.
Ab Jänner wird der ehemalige BVT-Chefinspektor Egisto Ott am Landesgericht Wien vor Gericht stehen. Ihm wird vorgeworfen, zwischen 2015 und 2020 ohne dienstlichen Auftrag Daten wie Aufenthaltsorte, Kfz-Kennzeichen und Reisebewegungen erhoben und diese für finanzielle Gegenleistungen einem geheimen russischen Nachrichtendienst zugänglich gemacht zu haben.
Zudem wird Ott der Weiterleitung sogenannter Lederhosen-Fotos angelastet; hier hob der Oberste Gerichtshof im Dezember 2025 zuvor ergangene Freisprüche teilweise auf.
Auch Politiker müssen erneut vor Gericht
ÖVP-Klubobmann August Wöginger wird sich im Zuge der Postenschacher-Causa erneut verantworten, nachdem die Diversion im Dezember 2025 aufgehoben wurde. Ihm wird vorgeworfen, 2017 Einfluss auf eine Personalentscheidung im Finanzministerium genommen zu haben. Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache muss sich erneut für den Versuch verantworten, sich eine Lebensversicherungs-Prämie von über 300.000 Euro anzueignen. Sowohl Wöginger als auch Strache bestreiten die Vorwürfe.
Auch Ex-Immobilinejongleur kommt nicht zur Ruhe
Unternehmer René Benko bleibt ebenfalls vor Gericht im Fokus: Erstinstanzlich wurde er wegen betrügerischer Krida und anderer Delikte zu Haftstrafen und Geldbußen verurteilt. Große Verfahren wie die „Causa Wienwert“ starten ab der zweiten Jännerhälfte am Landesgericht Wien. Unter den Angeklagten sind unter anderem Firmenchef Stefan Gruze, Ex-Wiener ÖVP-Chef Karl Mahrer mit Ehefrau sowie der Wiener SPÖ-Kommunalpolitiker Ernst Nevrivy. Ihnen wird schwerer gewerbsmäßiger Betrug, Untreue und betrügerische Krida vorgeworfen.
Für ein Novum sorgen die Anklagen gegen zwei ehemalige Vertreter des syrischen Assad-Regimes wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Folter. Außerdem wird ein 15-jähriger IS-Anhänger erneut vor Gericht erscheinen, nachdem er sich während und nach seiner U-Haft weiterhin radikalisiert haben soll.
Auch Klimakleber im Gerichtssaal
Auch Massenverfahren stellen die Gerichte vor Herausforderungen: Im Oktober 2025 erhob die Staatsanwaltschaft Wien Anklage gegen 42 Personen aus dem Umfeld der Klimaschutzbewegung „Letzte Generation“ wegen Sachbeschädigung und schwerer Sachbeschädigung. Der Große Schwurgerichtssaal am Landesgericht Wien befindet sich derzeit im Umbau – dennoch sollen die Verfahren beginnen.
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