Bis auf den letzten Platz besetzt war das Linzer Brucknerhaus, obwohl ein anspruchsvolles Programm angesetzt war: Jakub Hrůša führte die Wiener Philharmoniker mit großer Kraft und Eleganz durch ein ungarisch-tschechisches Programm. Eine Sternstunde der Musik!
Jakub Hrůša ist ein weltweit gefragter Dirigent, der aus Brünn stammt. Er ist u.a. Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, ab 2028 wird er auch die Tschechische Philharmonie leiten.
Er hat sich offenbar ein Faible für regionales Volksliedgut bewahrt, das hochkarätige Komponisten allerdings zu sehr anspruchsvoller Musik inspirierte. Diese gab es beim Ausnahmekonzert im Linzer Brucknerhaus zu hören.
Am Beginn stand Zoltán Kodály, er schrieb die mitreißenden „Tänze aus Galanta“ ganz im Sinne ungarischer Volksmusik. Die Wiener Philharmoniker zeigten sich extrem energisch, gewillt, auch dreifaches Forte zu spielen, wenn nötig, in ungeheurer Homogenität, auch in den Decrescendi und leisen Stellen.
Neue Tonsprache für Skandalmusik
Hrůša führte die Edelmusiker mit den wertvoll klingenden Instrumenten mit großer Kraft und analysierender Zeichengebung auch durch Béla Bartóks Musik vom „wunderbaren Mandarin“. Vor hundert Jahren ein riesiger Skandal, einerseits wegen der radikal neuen Tonsprache, andererseits wegen der anrüchigen Handlung.
Echte böhmische Nationalmusik hört man in der symphonischen Dichtung „Die Waldtaube“ von Antonín Dvořák. Unmittelbar nach seinem Aufenthalt in Amerika – nach viel Heimweh, Zigarettenkonsum und Depressionen - vertonte er einen Strauß nationaler Sagen.
Männerverein mit Damen
Die Schwierigkeiten der Partitur forderten sogar die vielgerühmten Wiener Philharmoniker, bei denen man staunend hörte, wie unisono alle Streicher die heiklen Passagen darboten und denselben Klang prägten. Virtuose Posaunen in perfekter Intonation, Holzbläser der Extraklasse, großartige Besetzung auch im Schlagwerk. Mittlerweile bewundert man bei dem ehemaligen Männerverein auch sechs Geigerinnen bei den Ersten. Der Anteil an Musikerinnen und Musiker aus Oberösterreich ist sehr hoch in allen Instrumentengruppen.
Urgewalt und Liebesmelodien
Kompositorische Urgewalt dann im Werk „Taras Bulba“ von Leoš Janáček, das als Abschluss des Abends programmiert wurde. Kriegsmusik: Russland gegen Polen 1654-1667. Taras Bulba erschießt den eigenen Sohn, der sich in eine Polin verliebt, und deshalb bei den Gegnern kämpft.
Wunderbare Liebesmelodien von Konzertmeister Rainer Honeck dargeboten, brutale, aber schöne Blechbläserklänge für den Aufstand der Kosaken, den N. W. Gogol in seiner Sage „Taras Bulba“ so bildhaft erzählt.
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