Bei den Frauen im Stück konnte er keine Erfolge verbuchen, beim Publikum dafür umso mehr: Das am vergangenen Wochenende in Traun aufgeführte Casanova – das Musical begeisterte mit Humor, musikalischer Vielfalt, herausragenden Darstellern und einer zeitgemäßen Message, die doch nicht belehrend wirkte.
Casanova, der schillernde Frauenheld – von den Männern bewundert, von den Frauen umschwärmt und stets erfolgreich? Nicht in Traun. Nicht nur aufgrund seines bereits fortgeschrittenen Alters hatte es der venezianische Schürzenjäger im Musical von Friedrich Ch. Zauner und Andreas Neubauer nicht leicht.
Casanova verschaut sich
Der seine altersbedingt fehlende Haarpracht unter einer barocken Perücke verbergende Casanova ist auf der Durchreise und kaum in Traun angekommen, als er eine junge Braut erblickt und sich plötzlich ganz sicher ist: Das ist die richtige, die eine, mit der er den Rest seines Lebens verbringen will.
Herausragende Hauptdarsteller
Seine zwei Gesichter – den Frauen himmlisch vorsingend, aber im Gespräch mit seinem Sekretär düster, abfällig und zynisch – wurden von Countertenor Bernhard Landauer perfekt in Szene gesetzt. Der Sekretär, gespielt von Bassbariton Thomas Neubauer gab das bodenständige Gegenstück. Den beiden Herren gegenüber stand die gebürtige Niederländerin Maaike Schurmans mit mächtiger Soulstimme als gestandene Bewohnerin Trauns.
Demaskiert und verjagt
Sie umgarnt den Sekretär, den sie für Casanova höchstselbst hält. Als sie ihren Irrtum bemerkt, schickt sie ihn zum Teufel. Der Italiener versucht schließlich, die Hochzeit des jungen Paares zu unterbrechen, um die Braut für sich zu gewinnen – fängt sich aber stattdessen Prügel von den Gästen ein und wird verjagt. Dabei verliert er auch die gepuderte Perücke. Vollends demaskiert wird der zurückgewiesene schlussendlich auch von Schurmans noch einmal zusammengestutzt, wobei auch der Sekretär noch sein Fett abbekommt. Trotzdem lädt sie die beiden Männer noch zu sich ein, bevor sie ins Happy End davonzogen.
Mühe- und nahtlose Genrewechsel
Unter der Regie von Karl Lindner sorgten die beiden jeweils einstündigen Akte für unzählige Lacher und vergingen wie im Flug. Die von Andreas Neubauer komponierte und vom rund 50-köpfigen Ensemble aus Orchester, Chor und Solisten hervorragend dargebotene Musik wandelte naht- und mühelos zwischen verschiedensten Stilen von Barock zu Rock – vom Swing, Pop-Ballade, Salsa, Tango oder Volksmusik war fast alles vertreten.
Botschaft, aber nicht belehrend
Schlussendlich war aber klar, dass ein Mann Mitte 60 trotz all seiner Berühmtheit und Glanz nicht einfach eine junge Braut ihrem gleichaltrigen Bräutigam wegschnappen kann. Allerdings keine Botschaft auf belehrende Art oder gar von oben herab, sondern durchwegs organisch. Schlussendlich blieb nur die Frage, wie viel ein Musical wirklich braucht – denn die minimale Kulisse, tänzerische Darbietungen und wiederholte Einwendungen des „Autors“ boten mehr als genug, um der Fantasie freien Lauf zu lassen.
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