20 Zentimeter Neuschnee – und plötzlich geht nichts mehr. Am Freitagvormittag herrschte am Flughafen Wien Ausnahmezustand. Von 232 Starts und Landungen wurden 150 komplett eingestellt, Maschinen blieben am Boden, Anzeigetafeln sprangen von „verschoben“ auf „gestrichen“. Für tausende Passagiere platzten Reisepläne. Die „Krone“ hörte sich bei den Wartenden um ...
Vor dem Serviceschalter bot sich am Freitagvormittag ein Bild, das viele so noch nie erlebt haben: Die Warteschlange zog sich durch zwei Terminalhallen. Hunderte Menschen standen dicht an dicht, manche mit kleinen Kindern, andere mit schweren Koffern. Mitarbeiter teilten Wasser aus. Viele Reisende warteten zwei Stunden oder länger, um mit einem Mitarbeiter sprechen zu können.
Draußen stapelte sich der Schnee – drinnen die gestrandeten Fluggäste. 200 Mitarbeiter kämpften mit schwerem Gerät gegen 15.000 Tonnen Neuschnee an, während im Terminal hunderte Reisende auf ein Weiterkommen hofften.
Stephanie wollte mit ihrem Freund Jakob eigentlich nach Valencia, einen Freund besuchen. Die Anreise aus Graz verlief schon holprig – der Flixbus hatte Verspätung. Dann die nächste Hiobsbotschaft: Flug verschoben. Kurz darauf: gestrichen. Bei ihnen sei die Stimmung noch gut, doch ein weiterer Freund, der die beiden begleitet hat, sei bereits nach Hause gefahren, erzählen sie krone.tv.
Markus wollte mit seiner Familie nach Madrid. „Der aktuelle Stand ist, dass der Flug gecancelt wurde. Jetzt müssen wir schauen, wie es weitergeht“, sagt er – und hofft auf eine Umbuchung. „Bei uns ist die Stimmung noch gut – wir schauen, dass wir noch irgendwo ein Frühstück bekommen.“ In den nächsten zwei Stunden werde man informiert.
„Hoffen, dass Airline kulant ist“
Mitten im Terminal stehen Bernd und seine Freundin Nina in der Schlange zum Serviceschalter – und warten. „Wir sind um vier Uhr früh von Korneuburg losgefahren, auf der Schneefahrbahn haben wir schon gewusst, das wird schwierig“, erzählt er. Seit fünf Uhr sind sie am Flughafen, um sechs hätte ihr Flug starten sollen – doch klare Informationen gab es keine. Die Warteschlange zieht sich durch zwei Hallen, viele stehen hier seit Stunden an. Bei der Umbuchung taucht die nächste Unsicherheit auf: Für den Hinflug keine Kosten, für den Rückflug plötzlich schon. „Wir hoffen, dass die Airline kulant ist“, sagt Nina – und Bernd meint: „Beneiden tue ich heute niemanden, der hier arbeitet.“
Auch Alex wartet seit rund 30 Minuten mit seinem Freund in der Schlange. „Da vorne arbeiten leider nicht so viele Leute, deswegen dauert das so lang.“ Wirklich weiter sei man noch nicht: „Wahrscheinlich wissen wir in vier Stunden mehr, wenn wir vorne angekommen sind.“ Geduld ist an diesem Freitag am Flughafen Wien für alle gefragt.
„Sonst müssen wir nach Hause fahren“
Luisa und Sarah wollten nach Marokko fliegen – und gehörten am Vormittag zu den wenigen, die wir trafen, deren Flug noch nicht gestrichen war. „Gestern Abend haben wir noch gesagt: Schauen wir mal, ob das was wird mit dem Schnee – wir waren ganz positiv“, erzählt Luisa. Am Morgen dann der Blick aus dem Fenster: alles zugeschneit, „der krasseste Schnee im ganzen Winter“. Noch hoffen sie, dass ihre Maschine tatsächlich abhebt. Doch sollte der Flug doch noch gecancelt werden, bleibt nur Geduld – „sonst müssen wir halt wieder nach Hause fahren.“
Gegen Mittag dann die erste Entwarnung: Seit 12 Uhr sind Starts wieder möglich, seit 13 Uhr auch Landungen. Der Betrieb wird schrittweise hochgefahren – mit weiteren Verzögerungen ist jedoch zu rechnen.
Ein turbulenter Freitag für tausende Reisende. Doch am Nachmittag hoben die ersten Maschinen wieder ab – und mit ihnen die Hoffnung, vielleicht doch noch ans Ziel zu kommen.
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