In Oberösterreich werden die Fahnen auf halbmast gesetzt: Alt-Landeshauptmann Josef Ratzenböck starb einen Tag vor Weihnachten im Alter von 96 Jahren. Der ÖVP-Politiker war der letzte „echte Landesvater“. Er stand für eine Politik des Miteinanders.
Ein großer Oberösterreicher ist tot: Oberösterreich trauert um Alt-Landeshauptmann Josef Ratzenböck. Der ÖVP-Politiker, der von 1977 bis 1995 die Rolle des Landesvaters ausfüllte wie kein anderer nachher, wurde 96 Jahre alt. Er schloss am 23. Dezember im Altenheim in St. Florian bei Linz für immer seine Augen.
Ratzenböck stand 18 Jahre an der Spitze Oberösterreichs
Heutige Politiker sind aus einem anderen Holz geschnitzt: 18 Jahre lang war Josef Ratzenböck Landeshauptmann von Oberösterreich, er prägte das Land in vielerlei Hinsicht mit. Und er war ein starker Befürworter des gemeinsamen oberösterreichischen Wegs des politischen Miteinanders.
Ratzenböck kam am 15. April 1929 in Neukirchen am Walde zur Welt. 1948 legt er am Akademischen Gymnasium in Linz seine Reifeprüfung ab. Nach dem Abschluss seines Jusstudiums in Wien und dem Gerichtsjahr in Linz trat er 1953 in die Landesparteileitung der ÖVP ein und wurde zwei Jahre später deren Leiter. Von 1969 bis 1977 fungierte er als Landesparteisekretär der ÖVP.
Wenzel-Rücktritt machte Weg für Ratzenböck frei
1973 wurde er erstmals in den Landtag gewählt und kam gleichzeitig in die Landesregierung, wo er für die wichtigen Ressorts Finanzen und Kultur zuständig war. Nach dem Rücktritt von Landeshauptmann Erwin Wenzl (ÖVP) wurde Ratzenböck am 19. Oktober 1977 zum Landeshauptmann gewählt und entwickelte einen neuen Stil mit starkem Interesse an den Sorgen der Bevölkerung. So gab es regelmäßige Dienstag-Sprechtage für jedermann. Er wollte vor allem der Jugend die kulturellen Einrichtungen des Landes näher bringen.
Ein einzigartiges Musikschulnetz entstand
So entstand etwa während seiner Amtszeit ein flächendeckendes, in Österreich einzigartiges Musikschulnetz. Die unter LH Gleißner begonnenen Landesausstellungen wurden fortgesetzt und intensiviert. Im Bereich der Bundespolitik trat Ratzenböck stärker als seine Vorgänger in Erscheinung, vor allem als Sprecher der Länder in einer Reihe von Spezialfragen, heißt es aus dem Landesarchiv.
Eisernen Vorhang durchschnitten
In den letzten Jahren waren die Auftritte des Alt-Landeshauptmanns rar. Rund um den Heiligen Abend vor einem Jahr besuchte ihn mit Thomas Stelzer einer seiner Nachfolger. Zu diesem Zeitpunkt war es 35 Jahre lang her, dass der Eiserne Vorhang durchgeschnitten wurden. Dem zu Ehren und zur Gnadenhochzeit mit seiner Anneliese (70 Jahre Ehe) schenkte ihm Landeshauptmann Thomas Stelzer ein Foto vom Augenblick am Eisernen Vorhang, den auch Ratzenböck durchschnitt.
„Ein großer Gestalter Oberösterreichs, ein Brückenbauer, einer, der stets das Verbindende gesucht hat", so erinnert Landeshauptmann Thomas Stelzer an seinen Vor-Vorgänger Josef Ratzenböck: „Josef Ratzenböck war einer, der die Geschicke unseres Landes durch viele Jahre und Jahrzehnte maßgeblich geprägt und vorangetrieben hat. Er war ein Mann des Ausgleichs, den Menschen zugewandt.“
„Mit dem Tod von Alt-Landeshauptmann Josef Ratzenböck verliert Oberösterreich einen wichtigen Gestalter der Zweiten Republik“, würdigt der Landesparteiobmann der FPÖ Oberösterreich, Landeshauptmann-Stv. Manfred Haimbuchner das Wirken von Ratzenböck.
„Wir möchten in dieser Stunde die menschlichen Qualitäten dieses großen Oberösterreichers hervorheben. Immer stand das Miteinander vor dem Gegeneinander. Er war Brückenbauer und Verbinder und hatte ein großes Herz für die kleinen Leute. Er war ein Visionär und Gestalter in den großen Fragen der Zukunftspolitik, insbesondere auch im Bereich des Sozialen“, unterstreicht OÖ Seniorenbund Landesobmann LH a. D. Josef Pühringer.
Ratzenböck war stets ein Menschenfänger, seine leutselige Art war nicht aufgesetzt, sondern authentisch. Er kannte keine Berührungsängste. Es war die Zeit der großen Parteien ÖVP und SPÖ in Oberösterreich. Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt erreichte die Volkspartei 1979 mit 51,6 Prozent eine absolute Mehrheit. Bei der darauffolgenden Landtagswahl 1985 waren es noch mehr: Die ÖVP kam vor 40 Jahren auf 52,1 Prozent.
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