Flug MH370 vermisst

Angehörige empört: “Die verschweigen etwas!”

Ausland
15.03.2014 15:34
Eine Woche zwischen Verzweiflung und Hoffnung hat ihn gezeichnet. Sein Sohn war in der Boeing 777-200 auf dem Weg nach Peking. Seit die Maschine verschwunden ist, harrt der Vater in einem Hotel in Chinas Hauptstadt zusammen mit anderen Angehörigen aus. Mit dunklen Augenringen und voller Wut spricht er zu Journalisten. "Das ist doch eine Verschwörung", ruft er.

"Die modernen Flugzeuge stecken doch voller Messinstrumente. Wie können die Behörden plötzlich entdecken, dass die Boeing noch sieben Stunden unterwegs war?", fragt der Mann. Auf einer großen Leinwand hat die Fluggesellschaft Malaysia Airlines wenige Minuten zuvor die Pressekonferenz des malaysischen Ministerpräsidenten Najib Razak aus Kuala Lumpur live übertragen. Rund zwei Drittel der Passagiere waren Chinesen, viele Angehörige warten in Peking. 

Razak sagte, das Militär habe noch etwa sieben Stunden nach dem letzten Kontakt der Bodenstation zur Boeing ein Signal aufgefangen. Zuvor habe vermutlich jemand gezielt die Kommunikation des Flugzeugs abgeschaltet. "Diese Schritte lassen auf eine absichtliche Handlung von jemandem an Bord schließen." Berichte über eine Entführung wollte Razak aber nicht bestätigen.

"Gehe davon aus, dass das Flugzeug abgestürzt ist"
Der Luftfahrtexperte Zhang Qihuai ist pessimistisch. "Egal ob es eine Entführung gab oder nicht, ich gehe davon aus, dass das Flugzeug abgestürzt ist", sagt er der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Premier Razak hatte eine mögliche Flugroute über das nördliche Thailand bis nach Kasachstan und Turkmenistan ins Spiel gebracht. "Das Militär an Ort und Stelle hätte aber jedes fliegende Objekt zu 100 Prozent erfasst", sagt Zhang.

Viele Angehörige trauen den Behörden nicht mehr. "Die verschweigen etwas! Die lügen!", sagt eine Frau, als sie wutentbrannt aus dem Präsentationsraum stürmt. "Die Informationen aus Malaysia sind nichts wert", klagt eine andere Frau. So oft hätten sich die Regierungsvertreter schon gegenseitig widersprochen. Malaysia habe jegliches Vertrauen verspielt. 

Ein Mann schöpft aus den neuen Informationen aus Kuala Lumpur aber auch neue Hoffnung. "Das könnte auch ein gutes Zeichen sein", sagt er. Denn vielleicht seien nicht alle Passagiere bei einem Absturz über dem Meer ums Leben gekommen. Schließlich hatte der Ministerpräsidenten Kasachstan und Turkmenistan erwähnt.

Landung theoretisch auch ohne Geräte möglich
Eine Landung sei theoretisch möglich, meint Luftfahrtexperte Zhang: "Ein erfahrener Pilot kann solch ein Flugzeug auch ohne elektronische Hilfsmittel landen." Aber die Frage sei, wie lange die Boeing überhaupt noch in der Luft bleiben konnte. "Aus Kostengründen werden die Flugzeuge in der Regel nur mit gerade ausreichend viel Kerosin für ihr Ziel betankt", betont Zhang. 

Es sei auch kein großes Problem, die Kommunikation eines Flugzeuges auszuschalten. "Die Geräte lassen sich einfach deaktivieren", erklärt Zhang. Neue Hoffnung auf eine Rettung der Passagiere sei überzogen. "Trotz aller Spekulationen gehe ich von kaum Chancen aus, die Menschen an Bord noch lebend zu finden."

Polizei durchsuchte Haus des Piloten
Unterdessen haben Polizisten das Haus des Piloten der Boeing 777 durchsucht. "Die Beamten haben nach Material gesucht, das bei der Suche nach dem vermissten Flugzeug helfen könnte", sagte ein Polizist in Kuala Lumpur, wo das Haus des 53 Jahre alten malaysischen Piloten Zaharie Ahmad Shah steht. Ob etwas gefunden oder mitgenommen wurde, teilte er nicht mit. Mittlerweile wurde bekannt, dass sich auch fünf Kinder zwischen zwei und vier Jahren an Bord der Maschine befanden.

Die Suche nach dem Flugzeug wurde inzwischen auf zwei neue, mögliche Routen ausgerichtet, welche die Maschine genommen haben könnte. Die Suchaktion im Südchinesischen Meer wurde abgebrochen, teilten die Behörden mit. Eine mögliche Route führe über Thailand bis nach Kasachstan und Turkmenistan. Die andere gehe in südlicher Richtung von Indonesien in den Indischen Ozean. 

Dieser hat jedoch eine durchschnittliche Tiefe von knapp 3.900 Metern, mögliche Trümmerteile dürften infolge der Meeresströmung nach einer Woche weit verstreut sein. An der internationalen Suchaktion waren insgesamt mehr als 100 Schiffe und Flugzeuge aus rund einem Dutzend Ländern beteiligt.

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