Kommende Woche veranstaltet FPÖ-Nationalratspräsident Walter Rosenkranz ein Symposium unter dem Namen des Gründers der Großdeutschen Vereinigung und „Republiksgründer“ Franz Dinghofer. Zahlreiche Experten kritisieren die Veranstaltung rund um diese „problematische und antisemitische Figur“. Die Freiheitlichen kontern.
Just in der Woche des Gedenkens an die „Reichspogromnacht“ und Holocaust lädt Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) für den 11. November in Parlament zum „Dinghofer-Symposium“. Dies sorgt im Vorfeld für enorme Aufregung. Worum es geht? Die FPÖ, in wichtigen Teilen durchaus nicht fern deutschnationalen Gedankenguts, sieht in dem Deutschnationalen, ausgewiesenen Antisemiten und späteren Nationalsozialisten Franz Dinghofer eine große historische Figur.
Namhafte Historiker wandten sich im Vorfeld in einem offenen Brief gegen das von Rosenkranz veranstaltete Symposium zu Ehren des umstrittenen früheren Bürgermeisters und Höchstrichters. Er sei ein „Wegbereiter der Reichspogromnacht“, das Programm seiner unter seiner Führung 1919 gegründeten Großdeutschen gleiche einer „antisemitischen Hetzschrift.“
Die Historiker forderten wie auch andere Parteien und die Israelitische Kultusgemeinde – vergeblich – die Absage der Veranstaltung im Hohen Haus.
„War quasi ein Postbote“
Einer von ihnen ist Helmut Konrad, ehemaliger Rektor an der Karl-Franzens-Universität Graz. „Die FPÖ hatte immer dieses Symposium, nun aber gibt es die Provokation durch den Nationalratspräsidenten mit seiner Einladung ins Parlament.“ Dinghofer sei aus Sicht der FPÖ für die Republiksgründung vom 12. November 1918 zentral. Er habe die Republik ausgerufen. „So war das aber nicht“, so Konrad. „Das wurde von der provisorischen Nationalversammlung beschlossen. Dinghofer war beteiligt, aber quasi nur der Postbote.“ Die ganze Angelegenheit sei – unabhängig von seinen unbestreitbaren Leistungen für die Stadt Linz „unappetitlich. Zumal er oft als Opfer dargestellt wird.“
Dinghofer war Präsident des Obersten Gerichtshofes und ist „mit 65 mit fetter Gage in Pension gegangen. Sein Wesensmerkmal ist antisemitisch und problematisch“, so Konrad.
„Ohne ihn hätte es die Republik in dieser Form nicht gegeben“
Nationalratspräsident Rosenkranz wollte sich auf Anfrage nicht zur Kritik äußern. Er überließ General Christian Hafenecker das Feld. Er sieht darin einen „beschämenden“ linken Versuch. „Ohne Dinghofer hätte es diese Republik in dieser Form nicht gegeben. Er stand gemeinsam mit Sozialdemokraten und Christlichsozialen an der Wiege des neuen Staates – als Symbol nationaler Einigung über Parteigrenzen hinweg.“
Zudem sei er von den Nazis nach dem „Anschluss“ 1938 seines Amtes als OGH-Präsident enthoben worden. Das hielt ihn offenbar nicht davon ab, 1940 der NSDAP beizutreten.
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