Unser Weltbild könnte auf den Kopf gestellt werden: Wenn sich neueste wissenschaftliche Thesen um die sogenannte Dunkle Energie bewahrheiten, wäre sogar Einsteins Relativitätstheorie infrage zu stellen! Ein Erklärungsversuch, der bald an irdische Grenzen stößt.
Dunkle Energie ist weder dunkel noch Energie. So fängt es einmal an. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne, nicht nach unserem irdischen Verständnis.
Sie hat auch nichts mit moralischen Vorstellungen zu tun. Und noch weniger mit Hollywood-Filmen. Auch wenn man bei dem Begriff unweigerlich an die berühmte „Star Wars“-Reihe denken möge und die Transformation des guten Jedi-Ritters Anakin Skywalker zum ultimativ bösen Darth Vader, der unter seiner schwarzen Maske offenbar an Atemnot leidet und fortan für sein Umfeld nur noch schwer verständlich ist.
Irgendwo da draußen dürfte diese Energieform jedenfalls existieren. Womit wir wohl auch schon beim größten Problem wären – und mitten im aktuellen Diskurs der internationalen Wissenschaftselite.
Gemäß Astronomie-Lehrbuch handelt es sich bei Dunkler Energie um eine Art „Treibstoff“, der dafür sorgt, dass sich das Universum seit dem Urknall vor etwa 13,8 Milliarden Jahren ständig ausdehnt. 70 Prozent des gesamten Kosmos bestehen daraus, während Materie mit uns bekannten Atomen – Stichwort Sonne, Mond und Sterne – nur etwa fünf Prozent ausmacht.
Entdeckt wurde das Phänomen Ende der Neunzigerjahre, als man mehrere Supernovae, also die grell-gewaltigen Explosionen am Ende des Lebenszyklus eines massereichen Sterns, in fernen Galaxien beobachtete.
Dabei wurde ein zunächst unbekannter, antigravitativer Faktor eruiert. Also ein Gegenstück zur Schwerkraft, das dafür sorgt, dass das All immer weiter wächst. Dieser mysteriösen Komponente gaben Forscher nach längeren Debatten schließlich den Namen Dunkle Energie. Denn schon Albert Einstein hatte eine ähnliche Größe in seinen Gleichungen eingeführt.
Im Mittelpunkt steht wohl das Bedürfnis der Menschheit, wissen zu wollen, wie alles einmal anfing und wie es einmal enden wird.

Astronomin und Planetariumsdirektorin Dr. Ruth Grützbauch
Bild: Science Busters
So weit, so kompliziert. Aber zum Glück gibt es Dr. Ruth Grützbauch. Die aus dem Fernsehen und diversen Kabarettprogrammen bekannte Top-Astronomin (Sciene Busters) ist nie um eine Einschätzung verlegen. Finale Antworten kann sie im konkreten Fall aber auch nicht liefern, dann hätte sie nämlich schon den Nobelpreis eingeheimst. Sie sagt daher: „Das Ganze ist ziemlich komplex. Im Mittelpunkt steht wohl das Bedürfnis der Menschheit, wissen zu wollen, wie alles einmal anfing und wie es einmal enden wird.“
Dunkle Energie sei eine physikalische Konstante, die zur Berechnung des Universums herangezogen wird. Mit den ebenfalls gerne zitierten Schwarzen Löchern habe sie jedenfalls nichts zu tun. Bei einem Schwarzen Loch handelt es sich nämlich um ein Objekt, dessen Masse so stark ist, dass Materie, Licht und jegliche Information es nicht mehr verlassen können.
Schauplatzwechsel vom frostigen Wien, wo Dr. Grützbauch seit vielen Jahren erfolgreich das Pop-up-Planetarium Public Space betreibt, in die Wüste von Arizona, wo man aktuell bei 23 Grad die Sonne genießt. Auf dem Kitt Peak auf 2098 Meter Seehöhe und nur wenige Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt, befindet sich eine der modernsten Sternwarten der Vereinigten Staaten von Amerika. Beobachtungen des hiesigen Spezialteleskops „Dark Energy Spectroscopic Instrument“ (Kurzform DESI) könnten in der ganzen Thematik nun einen Paradigmenwechsel einläuten.
Die neuesten, empirisch aber noch nicht vollständig verifizierten Forschungsergebnisse eines Teams rund um den renommierten Theoretiker Djordje Minic aus dem US-Staat Virginia deuten darauf hin, dass die Dunkle Energie möglicherweise nicht, wie bislang angenommen, konstant ist, sondern sich verändert.
Konkret: Sie dürfte, gemäß der Hypothese, im Laufe der Zeit schwächer werden. Das würde die gängige Lehrmeinung auf den Kopf stellen und sogar Einstein hinterfragen! Denn wenn die Dunkle Energie tatsächlich abnimmt, wie die Studien andeuten, könnte sich die Expansion sämtlicher Galaxien irgendwann verlangsamen oder sogar ins Gegenteil umkehren.
Dann wären Szenarien wie ein „Big Crunch“ denkbar, bei dem das Universum deutlich früher als bisher angenommen kollabiert und in sich zusammenfällt. Bislang ging man eher von einem „Big Rip“, einer Art Endknall aus oder einem „Big Freeze“ („das große Einfrieren“).
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