Erneut sind Samstag im Iran Menschenmassen auf die Straße gegangen, um gegen das Regime zu protestieren. Die Führung antwortet mit brutaler Härte: Sicherheitskräfte dürften bereits Hunderte Demonstranten getötet und verwundet haben. Die USA erwägen daher ernsthaft, einzuschreiten.
Seit knapp zwei Wochen dauern die Proteste im Iran nun an. In 185 Städten des Landes gab es bisher Demonstrationen, so das Menschenrechtsnetzwerk HRANA. Das trotz einer nahezu vollständigen Internetsperre, wegen der auch wenige Informationen über die Lage ins Ausland dringen. Dem Netzwerk zufolge wurden bisher mindestens 78 Demonstranten getötet. Die tatsächliche Zahl dürfte weit höher liegen, denn HRANA zählt nur Tote, die bereits identifiziert wurden. Mehr als 2600 weitere Menschen sind demnach bisher festgenommen worden.
„Viele Menschen erschossen“
Gegenüber den Sendern BBC und CNN berichteten Augenzeugen von enormen Menschenmassen in Teheran, gegen die das Regime auf den Straßen der Hauptstadt rücksichtslos vorgeht. Von der BBC verifizierte Videos im Netz zeigen Zusammenstöße auf den Straßen, Schüsse sind zu hören. Zwei anonyme Zeugen erklärten gegenüber CNN, dass Sicherheitskräfte mit Sturmgewehren am Freitag „viele Menschen“ erschossen hätten. Eine Frau sagte dem US-Sender, sie habe in einem Spital gesehen, wie „Leichen aufeinandergestapelt“ worden seien.
Justiz droht mit der Todesstrafe
Der Generalstaatsanwalt des Iran, Mohammed Mowahedi Asad, erklärte am Samstag im Staatsfernsehen, dass alle Demonstrierenden als „Feinde Gottes“ angesehen würden – ein Vergehen, das im Iran mit dem Tod bestraft wird. Irans Staatsführung versuchte, die Massenproteste herunterzuspielen. In den meisten Städten habe Ruhe geherrscht, hieß es im Staatsfernsehen.
US-Präsident Donald Trump hat unterdessen den Demonstranten seine Unterstützung zugesichert. „Der Iran strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu helfen!!!“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Wie die Hilfe aussehen soll, ist unklar. Die „New York Times“ meldete unter Berufung auf US-Beamte, Trump sei in den vergangenen Tagen über neue Optionen für Militärschläge im Iran informiert worden. Er erwäge ernsthaft, seine Drohung wahrzumachen, das Land wegen der Unterdrückung der Proteste anzugreifen, so die Zeitung. Schon zuvor hatte Trump Teheran vor der Tötung von Demonstranten gewarnt.
Gespräche über US-Angriff laufen
Laut dem „Wall Street Journal“ führten US-Beamte erste Gespräche darüber, wie ein Angriff auf den Iran durchgeführt werden könnte, sollte dies nötig werden, um Trumps Drohungen umzusetzen. Dabei seien auch Optionen für mögliche Ziele diskutiert worden, etwa ein großangelegter Luftangriff auf mehrere Militäreinrichtungen im Iran, berichtete die Zeitung unter Berufung auf US-Beamte. Die US-Beamten hätten betont, dass diese Gespräche Teil der normalen Planung seien. Es gebe keine Anzeichen für einen bevorstehenden Angriff, hieß es.
Laut „New York Times“ hat Trump auch noch keine Entscheidung gefällt. Er teilte aber einen Post des republikanischen US-Senators Lindsey Graham auf der Plattform X, in dem dieser die iranische Staatsführung warnte, dass ihre Brutalität gegen das Volk nicht ohne Konsequenzen bleiben werde. An Irans Volk gerichtet, schrieb Graham: „Euer langer Albtraum geht bald zu Ende.“
Schah-Sohn ruft zu neuen Protesten auf
Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, bedankte sich auf X für Grahams Post und rief für Sonntag zu weiteren Protesten auf. Dabei gehe es nicht nur darum, auf die Straßen zu gehen, sondern zentrale Plätze in Städten zu besetzen und zu halten, erklärte er. Aus seinem Exil heraus beansprucht Pahlavi eine Führungsrolle in der Opposition. Im Iran selbst gibt es seit Jahren keine politische Kraft mehr, die von den Demonstranten als glaubwürdige Opposition anerkannt wird. Viele Menschen im Land setzen daher ihre Hoffnungen auf Unterstützung aus dem Ausland. Bei den aktuellen Massenprotesten ertönte auch der Slogan „Lang lebe der König“ – ein direkter Hinweis auf den Sohn des früheren Schahs.
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