20.02.2014 11:00 |

Gelungener Tabubruch

Maserati S Q4: Dreizack regiert auf allen Vieren

Wenn traditionsreiche Autohersteller mit eben jenen Traditionen brechen, ist das eine heikle Sache, schließlich sollte man sich selbst treu bleiben. Maserati hat nach der Einführung des ersten Dieselmotors und des ersten Vertreters im Segment von 5er-BMW und E-Klasse nun das dritte Tabu gebrochen: Erstmals baut man in Modena Autos mit Allradantrieb – und die passen hervorragend zur Marke.

Zwei Modelle bekommen den Q4 genannten Antrieb: die Luxuslimousine Quattroporte und der Kleinste in der Familie der Maseratis, der Ghibli. Allen gemeinsam ist der bei Ferrari entwickelte V6-Turbomotor mit 410 PS. Ob es jemals die Version Allrad plus Diesel (über die man sich vor allem in Österreich freuen würde) geben wird, steht in den Sternen.

Allrad-Technik aus Österreich
Das Q4-System stammt von Magna Powertrain in Lannach und entspricht technisch dem xDrive von BMW, ist aber anders abgestimmt. Grundsätzlich fließt die Kraft – in diesem Fall maximal 550 Nm – an die Hinterräder. Bei Bedarf reagiert die elektronische Lamellenkupplung innerhalb von 150 ms und schickt variabel bis zu 50 Prozent des Moments an die Vorderräder. Auf dem bunten Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser lässt sich das mitverfolgen, wenn einem gerade fad ist. Wie es um den Bedarf bestellt ist, darum kümmert sich ein Algorithmus, der in Echtzeit alle relevanten Fahrzeugparameter prüft und auswertet. Dazu gehören Radschlupf, Lenk- und Gierwinkel, momentane Leistungsabgabe, Fahrgeschwindigkeit, Bremsbetätigung und ESP-Kenngrößen. Im Alltag merkt man einfach, dass immer was weitergeht.

Aber es ist ja nicht aller Alltage Abend, und so wäre ein Maserati kein Maserati, wenn man mit ihm nicht herrlich Spaß haben könnte. Klar, man kommt verschneite Straßen zum Chalet oder ins Skigebiet jederzeit hinauf (was Maseratis früher generell verwehrt blieb), aber vor allem lassen sich beide Q4s gerne zu einem Tänzchen auf Eis und Schnee auffordern, ja betteln geradezu darum. Die Musik dazu wird mithilfe des prächtigen Triebwerks unter der langen Motorhaube komponiert, am besten mit gedrückter Sporttaste. Böse, fauchend, brabbelnd, aber niemals pubertär aufdringlich schallt es dann ebenso in den Innenraum wie nach draußen. Gerade undezent genug, um die Körperhärchen vorzuspannen.

Fire vs. I.C.E.
Für Parkett-Partien und Galerie-Fahrten mit sportlichem Anspruch geht an der Sporttaste sowieso nichts vorbei, denn sie spannt alles straffer (außer das adaptive Fahrwerk, das per Extrataste geschärft werden will) und hindert die tadellose ZF-Achtgangautomatik am selbsttätigen Hochschalten. Die handschmeichlerischen Schaltpaddles sind ein Traum, auch wenn der linke den Blinkerhebel verdeckt. Der Automatik-Wählhebel zickt jedoch ein wenig herum. Das (ohnehin schon erfreulich antiautoritäre) ESP lässt sich komplett deaktivieren. Andererseits gibt es für Momente, in denen maximale Sicherheit Trumph ist, auch den I.C.E.-Modus (Increased Control and Efficiancy).

Richtig gut fahren sich beide Maseratten, wobei der Quattroporte einen noch etwas erwachseneren Eindruck macht. Das Heck kommt dank längerem Radstand (3,17 statt 3,00 Meter) eine Spur später herum, die Lenkung ist weniger leichtgängig und verbindet den Fahrer ein wenig mehr mit Auto und Untergrund als im Ghibli, anders betrachtet kann man den Ghibli auch als etwas mehr auf dem Sprung bezeichnen. Die Fahrleistung unterscheiden sich nur minimal zugunsten des Kleineren, 4,8 statt 4,9 s für den Standardsprint, 284 statt 283 km/h Spitze.

Das Ambiente ist im besten Sinne italienisch edel. Feinstes Leder ist Serie, die ovale Analog-Uhr mit Maserati-Dreizack steht wie ein Edelstein exemplarisch für den Stil des Hauses auf der Mittelkonsole. Das Raumgefühl vorne ist in beiden hervorragend, hinten geht es im Ghibli für eine Sportlimousine in Ordnung, im Quattroporte fühlt sich auch der Chef auf dem Rücksitz wohl. Der ist mit 5,26 Meter aber auch 29 Zentimeter länger. Beim Einstiegspreis sind die Unterschiede größer als bei der Optik: 104.394 zu 134.760 Euro, vor allem der Ghibli ist ein echter Konkurrent zu den etablierten Business-Class-Fahrzeugen (Diesel mit Heckantrieb ab 73.354 Euro).

Wenn so ein Tabubruch aussieht, dann bitte, jederzeit gerne wieder. Apropos: Das erste Maserati-SUV ist nur noch eine Frage der Zeit – der Levante kommt 2015.

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