Er ist der Sprecher aller ärztlichen Direktoren Niederösterreichs: Primar Rainer Ernstberger nimmt sich im Interview kein Blatt vor den Mund, vor allem was die Zukunft der Versorgung durch medizinische Fachkräfte betrifft. Als ärztlicher Chef der Spitäler Korneuburg, Stockerau und Hollabrunn äußert er seine Sicht zu „Schwerpunktkrankenhäusern“.
Die „Krone“ hat den Experten zum Gespräch gebeten – und erhielt (s)eine direkte und ungeschminkte Meinung. Zur Lage eines neuen Schwerpunkt-Krankenhauses im Osten steht für Ernstberger fest: „Wo, ist eigentlich egal“, sagt er frei heraus und betont, dass politische Einflüsse auf jeden Fall hinten anstehen müssen. „Es geht vor allem um die Infrastruktur.“ Eine Bahnverbindung muss vorhanden sein, im Idealfall „gleich mit einer eigenen Haltestelle“. Die Zufahrten sollten für rasche Anfahrten kreuzungsfrei und Wohngebiete möglichst weit entfernt sein, damit durch Anflüge von Rettungshubschraubern keine Störungen entstehen.
Medizinstudenten hätten andere Job-Vorstellungen
„Die erste Frage von Jungärzten, wenn sie sich bei Spitälern weiter außerhalb von Ballungszentrum bewerben, ist die nach kostenlosem Jahresbahnticket“, betont er den Wandel in der Gesellschaft, der auch an Jungmedizinern nicht vorbeigeht: „Beim Klinikum Mistelbach ist der Fußweg vom Bahnhof aber knapp eine halbe Stunde durch die Stadt.“
Damit will er nicht sagen, dass das Spital benachteiligt gesehen werde, so das Mitglied der Arbeitsgruppe im Gesundheitspakt, im Gegenteil: „Es wird als zweiter Schwerpunktort dringend benötigt und ist hier auch fix in den Plänen verankert.“
„Stress oder Panik ist fehl am Platz: Planungen behalten Zeit bis 2040“
Nachgehakt, warum dann vom Abbau mehrerer Abteilungen in dem 70-seitigen Planungspapier die Rede ist: „Es wird noch viel Wasser die Donau runterfließen. Das Weinviertel ist medizinisch chronisch unterschätzt – mit 320.000 Einwohnern gegenüber dem bestens versorgten Großraum westlich mit kaum mehr Bürgern.“
Auch Krankenhäuser haben ein „bauliches Ablaufdatum“
Der für Korneuburg, Stockerau und Hollabrunn ärztlich Zuständige versteht die Aufregung – aber: „Durch den Medizinfortschritt, ich nenne nur Stichwort KI, muss man bedenken, dass auch Spitalgebäude ein Ablaufdatum haben – hier geht es um bis zu 35 Jahre alte Häuser“, meint er bezüglich Sanierungen.
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