Die Sterberate bei Brustkrebspatientinnen sank seit 2013 um gut zehn Prozent. Auch Männer sind von der Krankheit betroffen. Experten drängen auf eine höhere Vorsorgemoral – die trotz kostenlosem Angebot ausbaufähig ist. Die „Krone“ hat sich im Brustgesundheitszentrum am LKH Graz II umgehört.
Werde ich je wieder arbeiten können? Wo gibt es leistbare Perücken? Darf ich während der Chemotherapie unter Leute gehen? Mittwoch ist Sprechstundentag im Brustgesundheitszentrum LKH Graz II, für Breast-Care-Nurse („Brustschwester“) Amra Dzafic der arbeitsintensivste Tag der Woche: „Die Diagnose Brustkrebs zieht den Betroffenen den Boden unter den Füßen weg. Meine Aufgabe ist es, die Patientinnen durch den gesamten Prozess zu begleiten und ihnen das Gefühl zu geben, dass wir es gemeinsam schaffen können“, sagt sie.
Diagnostik und Therapien verbessern sich enorm
99 Prozent der Brustkrebsdiagnosen werden bei Frauen gestellt, Männer trifft es aber meist härter: „Da sie nicht auf die Krankheit sensibilisiert sind, kommen sie zumeist erst, wenn der Tumor schon groß ist, was die Heilung natürlich erschwert“, weiß Leiter Hubert Hauser. Der Mediziner betont, dass man keinem Patienten Heilung versprechen könne, „allerdings sind die Überlebensraten heute hoch wie nie.“
Dies bestätigt auch ein Blick in den gerade veröffentlichten Krebs-Bericht der Statistik Austria. Demnach gehen sowohl das Risiko einer Neuerkrankung als auch das Sterblichkeitsrisiko zurück. Letzteres sank in den vergangenen zehn Jahren um gleich 10,2 Prozent.
„Diagnostik und Therapien haben sich enorm verbessert“, weiß Hauser, der schon lange im Geschäft ist. Vor allem die Antikörperimmuntherapie hätte zuletzt einen gewaltigen Fortschritt gebracht: „Bei uns bekommt jeder Patient die beste und für ihn zugeschnittene Therapie. Übrigens auch Palliativpatienten. Das ist alles andere als selbstverständlich – auch nicht in Europa“, verweist Hauser auf die hohen Standards in Österreich.
Die noch relativ junge Antikörperimmuntherapie erzielt gute Erfolge. Sie ist aber auch sehr teuer – dies ist auch eine Facette des immer stärker belasteten Budgets.

ÖVP-Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl
Bild: Christian Jauschowetz
Nur Hälfte der Frauen geht regelmäßig zur Vorsorge
Etwa ein Viertel der Erkrankungen wäre laut Hauser vermeidbar: „Die Lebensumstände sind oftmals entscheidend. Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkoholkonsum oder etwa Rauchen gilt es zu vermeiden.“
Dass nur 50 Prozent der Frauen das Angebot einer kostenlosen Früherkennungsmammografie ab dem 40. Lebensjahr annehmen, können die Experten nicht verstehen: „Immer wieder hören wir, dass Patientinnen Angst vor der Strahlung haben – dies ist völlig unbegründet. Kosten-Nutzen stehen in keinerlei Relation!“, sagt Hauser.
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