Regierungs-Dating-App
Singapur: Staat vermittelt Liebe und Kindersegen
In Singapur ist die Geburtenrate auf einen historischen Tiefstand gefallen. Der südostasiatische Stadtstaat droht zu überalten. Deshalb startet die Regierung nun eine staatliche Dating-App und hofft damit auf Kindersegen.
Im Jahr 2025 lag die Geburtenrate bei 0,87 Kindern pro Frau, für eine stabile Bevölkerungszahl wären rund 2,1 Kinder pro Frau notwendig. Der Staat versucht sich nun als Kuppler und probiert in einer ersten Testphase, unverheiratete Staatsbedienstete zu vermitteln.
Anmelden dürfen sich alle zwischen 21 und 35 Jahren. Sie müssen einen langen Fragebogen ausfüllen, Hobbys, Werte und sonstige persönliche Details werden dabei abgefragt.
Algorithmus findet ein perfektes Match
Ein Algorithmus schlägt dann genau eine Person vor, die das perfekte Match sein könnte. Nutzer haben anschließend 72 Stunden Zeit, um zu entscheiden, ob sie den Vorschlag annehmen wollen. Besteht auf beiden Seiten Interesse, werden die Kontaktdaten ausgetauscht. Wer mit seinem Vorschlag unzufrieden ist, bekommt in ein paar Wochen ein neues Match präsentiert.
Das staatliche Dating-Projekt „FirstDate“ nutzt übrigens einen Nobelpreis-Algorithmus, den die US-Mathematiker David Gale und Lloyd S. Shapley bereits 1962 entwickelt haben. Im Jahr 2012 gab es dafür den Wirtschaftsnobelpreis. Er wird auch bei der Vergabe von Schulplätzen eingesetzt.
Gemischte Reaktionen
Das staatliche Kuppeln sorgt in der Bevölkerung für gemischte Reaktionen. Während die einen eine Chance sehen, das große Glück zu finden, sehen andere einfach nur den Versuch, die Geburtenrate anzukurbeln. Kritiker stoßen sich vor allem an der Altersgrenze, ältere Singles würden nämlich nicht berücksichtigt.
Tausende Euro für Kinder
Singapur hat neben der Dating-Plattform auch noch andere Strategien, um die Familiengründung zu versüßen: Eltern sollen bis zum 17. Geburtstag eines jeden Kindes Leistungen von rund 70.000 Singapur-Dollar (rund 49.000 Euro) erhalten, hieß es zuletzt im August dieses Jahres.
Ob Menschen nur wegen der staatlichen Anreize Kinder bekommen, können selbst Demografen nicht genau sagen. Man darf also gespannt auf die nächsten Statistiken in den kommenden Jahren warten.

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