26.07.2013 10:18 |

Metadaten-Analyse

Jetzt testen: So viel verrät Gmail über Ihre Beziehungen

"Niemand hört sich Ihre Telefonate an", hat US-Präsident Barack Obama zu Anfang des Spähskandals erklärt. Das heißt aber nicht, dass die Bürger nicht durchleuchtet werden können. Denn Geheimdienste sammeln nach Informationen von Edward Snowden zwar nicht unbedingt die Inhalte einer Kommunikation, sondern auch die Verbindungsdaten. Und die verraten erschreckend viel über einen Menschen und sein soziales Umfeld, was man jetzt mit einer Online-App der renommierten Technik-Uni MIT selbst überprüfen kann.

Bei einer E-Mail handelt es sich bei den Verbindungsdaten beispielsweise um die Informationen über den Absender und die Empfänger sowie den Zeitpunkt der Nachricht. Bei Handytelefonaten und SMS sehen die Geheimdienste auch, an welchem Ort sich die Beteiligten befunden haben, weil die Mobiltelefone in bestimmten Funkzellen eingeloggt waren. Auch Einträge in sozialen Netzwerken hinterlassen eine Vielzahl an Daten.

Metadaten verraten viel über das soziale Umfeld
In der Debatte um die Spähaffäre geht es deswegen auch darum, wie aussagekräftig solche Metadaten sind. Einerseits umfassen sie nicht die Inhalte der Kommunikation, also den Text der E-Mail oder die Gespräche am Telefon. Doch massenhaft gesammelt ermöglichen sie eine recht genaue Analyse von Netzwerken: Wer kommuniziert wann wie viel mit wem, wer hat besonders viele Kontakte, wie sind Menschen miteinander verbunden?

Frank Schirrmacher von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bezeichnet die Metadaten als "Landkarte sämtlicher sozialen Beziehungen einer Gesellschaft". "Das heißt nicht nur wer mit wem, sondern auch: Wer ist im Zentrum? Von wo kommen Ideen? Wo ist ein Zentrum von Aktivität?" Die Metadaten-Analyse kann also zu zentralen Personen eines Bekanntenkreises oder einer Gruppierung führen, die interessant für weitere Überwachungsmaßnahmen sein könnten.

Online-App zeigt, wie gläsern Sie wirklich sind
Auf einer Webseite der US-Technikuniversität MIT kann man jetzt anhand der eigenen Kommunikation über Googles E-Mail-Dienst Gmail selbst eine solche Analyse vornehmen und schauen, wie viel die Mails über den Bekanntenkreis verraten.

In dem Projekt "Immersion" erkennt das System nicht nur, mit wem man besonders intensiv kommuniziert, sondern auch, wie die Beziehungen der Beteiligten untereinander sind. So kann das System zwischen Familienmitgliedern, Kollegen im Büro und Freunden aus einem Verein unterscheiden, wie dies auch ein Geheimdienst könnte.

So funktioniert das Metadaten-Tool "Immersion"
Wer jetzt seinen Gmail-Verkehr analysieren möchte, muss sich dazu nur bei Immersion mit seinem Gmail-Account einloggen und schon verarbeitet das Tool den Mailverkehr. Anschließend wird er grafisch dargestellt (siehe Bild 2) und zeigt die Verbindungen zu bestimmten Personen und deren Verbindungen untereinander.

Die gewonnenen Daten werden beim Ausloggen wieder gelöscht, die Verbindung ist HTTPS-gesichert. Wer sich trotzdem nicht einloggen mag oder keinen Gmail-Account hat, kann auch einen Demo-Modus probieren. So oder so: Sie werden erstaunt sein, wie viel Ihr alltäglicher E-Mail-Verkehr über Ihr Umfeld verrät.

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