10.07.2013 21:15 |

Styling Queen

Citroën C4 Picasso: Lichtgestalt oder Blender?

Ich schau dir in die Augen, Kleiner – äh, ja, nur in welche? Ganz schön mutig, dieses Design des neuen Citroën C4 Picasso mit dem Suchbildgesicht. Gut, man hat sich vom Kindchenschema verabschiedet und riskiert was. Respekt. Auch wenn man Autos eigentlich männlich bezeichnet: Der Picasso ist eine Styling Queen, und die Franzosen ziehen das beinhart durch.

Als die Studie namens Technospace auf dem Genfer Salon präsentiert wurde, hätten wohl nicht viele große Summen darauf verwettet, dass die sich das wirklich trauen. Der Grat ist ein schmaler, Jeep etwa hat den Grand Cherokee mit ähnlichen Designelementen an der Front vorgestellt. Ja. Hoffen wir auf ein baldiges Facelift, vielleicht wird er dann etwas ansehnlicher. Aber dem C4 Picasso kann man diesbezüglich nichts nachsagen. Chapeau.

Damit füllt Citroën also das ureigene Markenbild des Besonderen, der Avantgarde, des etwas anderen Stils mit Leben und das Straßenbild dadurch mit Lebhaftigkeit. Unkonventionell statt Allerweltsdesign, Mut statt Fadesse. Und Licht, viel Licht. Riesige Fensterflächen lassen die Sonne rein, auch wenn sie gar nicht scheint, in der geteilten A-Säule lichtert eine richtig große Scheibe und die Halbsäulchen sind so schmal, dass sie die Sicht nicht behindern. Das Glaspanoramadach lässt sich zwar nicht öffnen, aber auf Knopfdreh verhüllen.

Kein Grund, die Technik zu verstecken
Wer nun glaubt, der C4 Picasso sei ein Blender, der über fehlende innere Werte hinwegtäuschen will, der irrt: Der Franzose hat technische ebenso wie praktische Qualitäten, und gut zu fahren ist er auch noch.

Da ist zunächst einmal die brandneue EMP2-Plattform des PSA-Konzerns zu nennen, auf der künftig auch etwa der Peugeot 308 und natürlich die C4-Limousine aufbauen. Dadurch ist der C4 Picasso besonders leicht geraten, er wiegt 140 kg weniger als sein Vorgänger. Er ist auch kürzer und niedriger als die vorige Generation. Mit 4,43 Meter in der Länge sowie 1,61 Meter in der Höhe sind es je vier Zentimeter weniger. Zugelegt hat jedoch der Radstand. Dieser wuchs um fast sechs Zentimeter auf 2,79 Meter. Optisch wirkt er auch dank verkürzter Überhänge ungleich dynamischer.

Je nach Ausstattungsvariante (es stehen vier zur Wahl) gibt es hinten eine Sitzbank oder aber drei gleich breite Einzelsitze, die sich in Längsrichtung verschieben lassen - zugunsten von mehr Kniefreiheit oder Gepäckvolumen. Dieses variiert so in der Grundkonfiguration zwischen 537 und 630 Liter; klappt man die Rücksitzlehnen um, entsteht ein ebener Boden und das Volumen wächst auf 1.709 Liter.

Einsteigen in den Glaspalast
Beim Einsteigen wird sofort klar: Hier herrschen opulente Platzverhältnisse und das Auge darf durchaus mitfahren. Sehr ansprechend, was Madames et Messieurs da zusammengestaltet haben, jedenfalls in den gehobenen Varianten, die zum Test bereit standen. Angenehme Materialien mit gelungenen Oberflächenstrukturen und dezenten Farben. Alles wird dominiert von zwei großen Displays, pardon, einem großen und einem riesigen. Dieser "12-Zoll-HD-Panoramabildschirm" thront mittig auf der Konsole unter der Frontscheibe und beinhaltet Tacho (analog und digital gleichzeitig) und Drehzahlmesser (analog) ebenso wie allerlei weitere Information, sehr scharf und farbig dargestellt. Darunter ein 7-Zoll-Touchscreen, flankiert von weiteren Touch-Tasten, über den alles vom Navi über die Klimaautomatik bis zu den Assistenten gesteuert wird. Da gibt es viel zu entdecken und zu konfigurieren. Auch wenn ich noch nicht alles entdeckt habe – das ist sicher kein Hexenwerk.

Fahren mit Herzmassage
Rein und raus ist bei Parklücken kein Problem, der C4 Picasso ist richtig übersichtlich. Beim Blick nach hinten hätte ich mir aber beinahe die Sonnenbrille von der Nase gehauen, weil die Testfahrzeuge allesamt Superkopfstützen haben, die den Kopf auch seitlich dezent umfangen (siehe Diashow). Nett, aber gewöhnungsbedürftig. Auf jeden Fall haben sie einen großen Vorteil: Man kann nicht mit zu niedrig eingestellten Kopfstützen fahren, weil sie sonst auf den Schultern aufliegen.

Kopf hoch, Fuß aufs Gas. Der Picasso ist einer, den man gerne aktiv fährt, der aber auch zum Gleiten einlädt. Es ist auch bei hohem Tempo leise im Innenraum, das macht ihn zu einem angenehmen Reisebegleiter. Das Fahrwerk bietet einen angenehmen Kompromiss zwischen Komfort und Stabilität, die elektrohydraulische Servolenkung ist direkter als erwartet, wirkt aber etwas synthetisch. Bei sportlicher Fahrweise und entsprechend starkem Bremsen darf man sich nicht schrecken: Im Fall einer Fast-Vollbremsung strafft der Citroën zur Sicherheit vehement die Gurte – es könnte ja ein Aufprall bevorstehen.

Beim Streifen von Fahrbahnmarkierungen massiert Monsieur Picasso per Gurt das Herz, um den Fahrer auf den rechten Weg zurückzuführen. Und auch sonst bietet er eine Reihe Assistenten: Er verfügt optional über Spurhalte-, Kollisionswarn-, Toter-Winkel sowie Fernlichtassistenten, Radartempomat und vier Kameras, die gestochen scharfe Bilder von rund ums Auto liefern. Und alleine einparken kann er auch noch. Für Längseinparkmanöver benötigt er sogar nur Parklücken, die 40 Zentimeter länger sind als das Fahrzeug.

Von den zwei Motorisierungen, die zum Test bereitstanden, passt der 1,6-Liter-Diesel mit 115 PS und manuellem Sechsganggetriebe am besten zum Auto. Er beschleunigt den Franzosen kräftig und gleichmäßig, verbraucht durchschnittlich vier Liter (CO2-Ausstoß: 105 g/km) und entspricht mit seinen Fahrleistungen (Vmax: 189 km/h, 270 Nm, Standardspurt in 11,8 s) den typischen Anforderungen an einen Familienvan. Der 156-PS-Benziner ist zwar deutlich spritziger (0 bis 100 in 9 Sekunden) und billiger (fast 2.000 Euro), macht das Fahren aber etwas hektisch, weil seine Kraft leicht verzögert einsetzt. Weitere Motorvarianten sind ein Diesel mit 92 PS und ein 120-PS-Benziner. Alle vier haben 1,6 Liter Hubraum. Für die Diesel ist optional Citroëns automatisiertes Schaltgetriebe (arbeitet besser als früher) im Angebot. Ein echtes Automatikgetriebe soll im ersten Halbjahr 2014 folgen.

Die Preise beginnen bei 19.950 Euro für den kleineren Benziner, schon in der Basis dabei sind Tempomat, Klimaanlage, 7-Zoll-Touchscreen, Audiosystem mit sechs Lautsprechern, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und elektrische Fensterheber rundum. Am oberen Ende steht (ab November) ein supersauberer 150-PS-Diesel in Topausstattung um 31.450 Euro.

Unterm Strich
Da ist den Franzosen, wie es scheint, ein großer Wurf gelungen. Tolles Design von den mutig hochgesetzten Tagfahr-LEDs bis zu den 3-D-Heckleuchten, die den Blick ins Unendliche nach innen ziehen. Dazwischen jede Menge Praktisches und Schönes. So muss ein Citroën sein.

Warum?

  • Tolles Design
  • Praktische Details im Innenraum

Warum nicht?

  • Noch keine vernünftige Automatik verfügbar

Oder vielleicht …

  • … VW Touran, Ford C-Max, Renault Scénic, Mazda5, Kia Carens, Opel Zafira Tourer
  • … auf den 150-PS-Diesel mit 4,2 Liter Verbrauch warten.
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