01.07.2013 09:58 |

314.407 ohne Job

Arbeitslosigkeit: Sozialminister ortet "rauen Wind"

Der Aufwärtstrend bei den Arbeitslosenzahlen in Österreich hält weiter an. Im Juni waren insgesamt 314.407 Menschen ohne aufrechtes Arbeitsverhältnis, das bedeutet eine Zunahme um 30.770 Personen gegenüber dem Juni des Vorjahres (plus 10,5 Prozent). Besonders stark betroffen waren im Vormonat der Bausektor, ältere und ausländische Arbeitnehmer bzw. Langzeitarbeitslose (plus 23 Prozent). Sozialminister Rudolf Hundstorfer sprach am Montag von einem "anhaltend rauen Konjunkturwind".

Die nationale Arbeitslosenquote lag bei 6,5 Prozent, ein Plus von 0,5 Prozentpunkten, teilte das Sozialministerium in einer Aussendung mit. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten stieg um 20.000 auf 3.509.000. Zum Vergleich: Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen (ohne Schulungen) stieg im gleichen Zeitraum um 22.172 Personen.

Lehrstellenlücke wird immer größer
Immer größer wird die Lehrstellenlücke am Arbeitsmarkt: Mit 4.366 Suchenden wurde ein Plus von sieben Prozent verzeichnet, während die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen um elf Prozent (2.825 Stellen) zurückging. Die Arbeitslosenrate bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahre) fiel aber im Vergleich zur Generation der Über-50-Jährigen mit plus 6,5 Prozent relativ moderat aus.

Krise trifft sozial Benachteiligte besonders hart
Die Wirtschaftskrise bekommen die sozial Benachteiligten besonders hart zu spüren. Von den neu dazugekommen Arbeitslosen im Juni haben mehr als 10.000 keinen formalen Berufsabschluss. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen (über ein Jahr vorgemerkt) stieg um 23 Prozent auf 6.495 Personen. Das sind um 1.200 mehr als noch vor einem Jahr. Einen kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit gab es auch bei Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung. Ihre Zahl wuchs um 6.679 auf 44.221 Personen (plus 18 Prozent).

Baubranche am meisten betroffen
Nach Branchen betrachtet schwächelt nach wie vor insbesondere der Bau. Hier gab es ein Plus von 15 Prozent auf 16.432 vorgemerkte Arbeitslose. Auf fast gleichem Niveau (plus 14 Prozent) lag auch der Zuwachs in den Gesundheitsberufen, hier betrug die Zahl der Suchenden 6.996. Der Tourismus meldet einen Zuwachs der Arbeitslosen von elf Prozent, Handel und Zeitarbeitsfirmen vermelden acht Prozent Anstieg.

Wiedereinstieg nach Jobverlust immer schwieriger
Gleichzeitig wird es für all jene, die ihren Job verlieren, immer schwieriger, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Die gemeldeten offenen Stellen gingen um 4.501 auf 27.835 Positionen zurück (minus 14 Prozent). Der Anteil der Arbeitslosen mit Einstellungszusage verringerte sich um 2,5 Prozentpunkte auf 7,7 Prozent.

Sozialminister: "Anhaltend rauer Konjunkturwind"
Sozialminister Hundstorfer sprach von einem "anhaltend rauen Konjunkturwind" - vor allem aufgrund der schwachen internationalen Wirtschaftsentwicklung. "Angesichts dieser Rahmenbedingungen zeigt sich der Gesamtarbeitsmarkt noch ausnehmend robust", so der Minister. Die Arbeitslosenquote bleibe im europäischen Vergleich die "mit Abstand günstigste". Zum Vergleich: Die EU-Quote lag zuletzt bei elf Prozent, der nach EU-Methode berechnete Wert von Österreich bei 4,9 Prozent. Die Krisenländer Spanien und Griechenland kamen auf 27 Prozent Arbeitslose.

Hundstorfer verteidigt Konjunkturpaket
Hundstorfer merkte an, dass mit Ende Juni rund 40.000 ältere Personen mehr in Beschäftigung waren als noch ein Jahr zuvor. "Aber vor allem aufgrund der starken Geburtenjahrgänge steigt bei den Arbeitskräften ab 50 auch die Arbeitslosigkeit mit plus 15,7 Prozent überdurchschnittlich", so der Minister. Sein Resümee: "Die österreichische Wirtschaft braucht gerade jetzt ein Fitnessprogramm, das mit dem jetzt in die Wege geleiteten Konjunkturpaket maßgeschneidert wurde. Kurz- bis mittelfristig werden dadurch mehr als 70.000 Arbeitsplätze gesichert und geschaffen, längerfristig sogar mehr als 100.000."

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