Wegen Nötigung einer 15-jährigen Mitschülerin müssen sich fünf inzwischen ehemalige Gymnasiasten des Linzer Kollegiums Aloisianum am Freitag vor Gericht verantworten. Das Quintett soll das Mädchen bei einer Klassenfahrt nach Italien mit Drohungen derart unter Druck gesetzt haben, dass es sie in einem Hotelzimmer massierte.
Der strafrechtlich relevante Vorfall hatte sich am 14. April 2024 während einer Reise der 6. Klassen des Kollegiums Aloisianum nach Assisi (Italien) zugetragen. Fünf Burschen sollen dabei eine 15-jährige Schülerin gewaltsam in ein Hotelzimmer verschleppt und derart eingeschüchtert haben, dass das Mädchen ihnen ihre Wünsche nach einer Rückenmassage erfüllte.
Die Jugendlichen sollen bei ihrer Tat arbeitsteilig vorgegangen sein. Ein 16-Jähriger soll das Opfer zunächst gegen seinen Willen hochgehoben und zum Hoteleingang getragen haben. Von dort soll sie dann ein anderer 16-Jähriger ins Zimmer geschleppt und auf ein Bett gelegt haben.
Vergewaltigung angedroht
Laut Strafantrag wurde das Mädchen vom ersten Verdächtigen sinngemäß mit einer Vergewaltigung bedroht, während der zweite Verdächtige die Zimmertür versperrte.
Das Opfer bekam panische Angst, befürchtete, dass die Burschen ihre Androhung wahrmachen würden. Die 16-Jährige sah offenbar auch keine Chance, sich erfolglreich gegen die Übermacht zu wehren. Denn im Zimmer waren neben den beiden Hauptverdächtigen noch fünf weitere Jugendliche, von denen drei (jeweils 17 Jahre alt) ebenfalls angeklagt sind.
Rücken „ausknacksen“
Fünf der Burschen ließen sich von dem Mädchen den Rücken massieren. Sie legten sich dazu jeweils auf den Boden, das Opfer musste ihnen dann mit beiden Händen den Rücken „ausknacksen“.
Doch für die Schülerin war die Tortour danach noch nicht zuende. Einer der 16-Jährigen soll ihr angekündigt haben, sie in einen Schrank zu sperren. Das Zimmer dürfe sie erst verlassen, wenn sie einem der 17-Jährigen nach dessen Toilettengang „den Hintern auswische“.
Der Jugendlichen gelang es schließlich aber doch, aus dem Zimmer zu flüchten und Lehrer zu alarmieren. Die Burschen wurden vorzeitig heimgeschickt und später auch von der Schule verwiesen.
Bis zu sechs Monate Haft
Am Freitag müssen sich die Fünf wegen des Verdachts der Nötigung vor einem Einzelrichter im Landesgericht Linz verantworten, bei zweien von ihnen kommt noch der Straftatbestand der gefährlichen Drohung dazu.
„Der Strafrahmen für die Jugendlichen beträgt sechs Monate Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe von bis zu 360 Tagsätzen“, sagt Walter Eichinger, Sprecher des Landesgerichts Linz.
Das Opfer, vier Mitschüler und eine Lehrerin sind in dem Verfahren als Zeugen geladen. Die Angeklagten werden außerdem von Videoaufzeichnungen aus dem Hotel belastet.
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