Die Gewerkschaft Verdi fordert die Anwendung tariflicher Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich seien. Dann hätten die Beschäftigten einen Anspruch auf einen Stundenlohn von über zwölf Euro und auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Amazon erklärt hingegen, die Mitarbeiter lägen schon jetzt mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich sei: Im ersten Jahr belaufe sich der Stundenlohn auf mindestens 9,30 Euro, im zweiten auf über zehn Euro.
Gewerkschaft droht mit weiteren Streiks
"Wir fordern Amazon auf, in die Tarifbindung zu gehen", sagte Gewerkschaftssekretär Reimann. Das Management sei zwar zu Gesprächen, nicht aber zu Verhandlungen bereit. Sollte der Konzern sich nicht bewegen, könne es auch unbefristete Streiks geben. "Die Planungen liegen in der Schublade", sagte Reimann. "Wir stellen uns auf eine längere Auseinandersetzung ein."
Amazon gab sich unnachgiebig. In den vergangenen Monaten seien eine Reihe von informellen Gesprächen mit Verdi geführt worden. "Obgleich wir bereit sind, diese Gespräche fortzusetzen, sehen wir im Moment keine gemeinsame Basis für Verhandlungen." Die Forderung Verdis, den Einzelhandelstarif durchzusetzen, mache keinen Sinn. "Amazons Versandzentren sind Logistikunternehmen, die Kundenbestellungen ausführen. Die Mitarbeiter arbeiten in Logistikzentren, die dort Ware einlagern, entnehmen, verpacken und versenden - für Amazon, aber auch für viele andere Händler."
Amazon: Streik hatte keine größeren Auswirkungen
Bei Urabstimmungen hatten sich über 97 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder für Streiks zur Durchsetzung der Tarifbindung ausgesprochen. In Bad Hersfeld arbeiten laut Verdi 3.300 Beschäftigte, in Leipzig etwa 2.000. In den Frühschichten seien etwa 1.300 Mitarbeiter tätig.
Amazon beschäftigt in seinen deutschen Logistikzentren nach eigenen Angaben mehr als 9.000 Personen. Der Konzern erklärte, der Streik habe keine größeren Auswirkungen gehabt. "Amazon betreibt in Deutschland acht Logistikzentren, derzeit erwarten wir keine Auswirkungen auf die Auslieferung an Kunden."
Das in der Öffentlichkeit eher zurückhaltende US-Unternehmen stand zuletzt stark unter Beschuss: Zu Jahresbeginn war Amazon in Deutschland wegen der Behandlung von Leiharbeitern in die Kritik geraten. Auslöser war eine TV-Dokumentation (siehe Infobox) über die unwürdigen Arbeitsbedingungen, unter denen Leiharbeitskräfte bei Amazon ihrer Arbeit nachgehen mussten.
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