Amerika, du bist anders! In manchen Bundesstaaten wie Pennsylvania hat bereits das Wählen begonnen. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Bürger damit den/die Präsident/in wählen. Sie wählen nur eines der Teams von Wahlmännern/frauen („Electors“), die sich für einen bestimmten Kandidaten verpflichtet haben. Das Siegerteam wählt das Staatsoberhaupt.
Dieser Prozess ist sozusagen ein betreutes Wählen. Die Gründungsväter der USA, ein weißer Kolonialadel, hatten dem Wankelmut, der Käuflichkeit „der Straße“ abgrundtief misstraut. Wählen sollten verantwortungsbewusste Leute. Man hatte unter anderem die Sorge, dass sich die Briten über den Wahlprozess wieder die Macht zurückholen. Sie saßen ja noch in Kanada. Tatsächlich brach 1812 der Amerikanisch-Britische Krieg aus, die Hauptstadt Washington wurde niedergebrannt.
Auch soll die Aufteilung der 538 Wahlleute die gleichen politischen Rechte der Bundesstaaten zum Ausdruck bringen. Jeder Staat (plus Hauptstadt Washington), auch noch so klein, hat mindestens 3 Wahlleute. Es gibt auch keine Volksabstimmungen auf Bundesebene.
Bisher hat es kaum Druck genug gegeben, um dieses System in der Verfassung zu ändern. Verfassungsänderungen bedürfen einer Dreiviertelmehrheit der Staaten-Parlamente. Die USA ruhen somit auf einem durch die Jahrhunderte versteinerten Verfassungsmonstrum. Hauptsache Waffen für alle.
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