Großereignis

“Brautmarkt” in Bulgarien: Suche nach Liebe und Geld

Ausland
26.03.2013 12:37
Ein zweimal jährlich stattfindender "Brautmarkt" im bulgarischen Stara Zagora hat am Samstag etwa 2.000 Roma angezogen. Sie gehören der orthodoxen Gruppe der Kalaidzhi an, die Buben und Mädchen ab der Pubertät streng trennen. Obwohl die Eltern immer noch über die Mitgift verhandeln, ändern sich auch hier die Zeiten: Über ihren zukünftigen Bräutigam entscheiden inzwischen die jungen Frauen selbst.

Die Kalaidzhi umfassen etwa 18.000 der 700.000 Roma Bulgariens. Traditionellerweise verdienten sie als Kupferschmiede ihren Unterhalt, doch Billigware aus China führt zu einer weiteren Verschlechterung der ohnehin dramatischen Armut der Bevölkerungsgruppe.

Um die Töchter gut versorgt zu wissen, treffen sich die Kalaidzhi zweimal jährlich beim "Brautmarkt", berichtet die Nachrichtenagentur AP. Dort dürfen sich die jungen Erwachsenen - verheiratet werden Frauen, anders als in anderen Roma-Gruppierungen, erst mit frühestens 18 Jahren - persönlich kennenlernen. Für viele eine aufregende Erfahrung, werden doch Buben und Mädchen ab der Pubertät ansonsten streng getrennt und dürfen nur per Internet Kontakt miteinander aufnehmen.

Erstes Kennenlernen auf dem "Brautmarkt"
Viele sehen ihre Flirtpartner zum ersten Mal und dürfen mit ihnen tanzen - die Frauen seien zu diesem Zweck besonders stark geschminkt und in Kleidern unterwegs, die Männer setzten hingegen auf Jeans und Lederjacken, so die AP. Die Eltern hielten sich während dieser Kennenlernphase im Hintergrund.

Finanzprobleme machen Brautsuche schwierig
Die Tradition des "Brautmarkts" existiert seit Generationen. Die für eine Braut erwartete Mitgift liegt mit umgerechnet 2.500 bis 5.000 Euro inzwischen wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage aber sehr niedrig. Dennoch sei es für viele Familien aufgrund der geringen finanziellen Möglichkeiten derzeit schwierig, eine Schwiegertochter zu finden, berichtete ein Besucher der AP.

Ganze Familie sucht den richtigen Ehemann
Wichtig ist für die Kalaidzhi, dass eine Braut als Jungfrau in die Ehe geht - ansonsten müssen die Eltern die Mitgift zurückzahlen. Doch auch moderne Ansichten haben sich inzwischen durchgesetzt: Es wird allgemein für wichtig erachtet, dass das zukünftige Paar Gefühle füreinander hegt. Um bei all den Interessenten den richtigen herauszufinden, sind nicht nur die Eltern, sondern auch Geschwister und die Großfamilie auf dem "Brautmarkt" mit dabei und nehmen die potenziellen Partner in Augenschein.

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