„Du erzählst viel zu wenig von den positiven Erlebnissen an deiner Schule, immer nur das Schlechte.“
Diese und ähnliche Kritik ist mir über Jahre bekannt. Umso häufiger, seit ich über Schwierigkeiten und Probleme an Brennpunktschulen schreibe und öffentlich darüber spreche. Mir ist bewusst: Die Aufmerksamkeit auf das Negative zermürbt manchmal nicht nur mein privates Umfeld, sie nagt zeitweise auch an der eigenen Seele.
Wo sind sie also, die Leuchttürme in meiner Arbeit? Bereits zu Schulbeginn war ich angenehm überrascht: Uns fehlt nur wenig Lehrpersonal, was man von anderen Standorten eher nicht behaupten kann.
Die wichtige Arbeit in Kleingruppen ist also nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität möglich.
Bereits in der dritten Woche erschien mir der erste große Leuchtturm im stürmischen Ozean, genauer gesagt meiner Deutschförderklasse. Hakim rast nämlich nicht mehr kreischend in den Raum und reißt sämtliche Spiele aus den Regalen. Leider nicht, um zu spielen, sondern vielmehr um den Inhalt der Schachteln über die gesamte Klasse zu verteilen. Mit militärischer Konsequenz habe ich ihm beigebracht, sich zuerst auf einen Sessel zu setzen und meine Anweisungen abzuwarten.
Gestern hat er tatsächlich zwei Zeilen große und kleine M geschrieben. Als ich den Kindern das Bild einer Maus zeigte, hat er begeistert „Käse essen“ gerufen. Und ich glaube, das war seit langem mein hellster Leuchtturm.
Danke Hakim!
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