Wahlkampf-Finish

Berlusconi witzelt über “kleinen Professor” Monti

Ausland
18.02.2013 11:17
Kurz vor den Parlamentswahlen in Italien am kommenden Sonntag und Montag werden die Spitzenkandidaten nervöser. Die drei Schwergewichte lieferten sich am Montag einen gegenseitigen Schlagabtausch. Verbalgefechte und persönliche Attacken zählen schon zum Alltag dieses langen Wahlkampfes, der nach zweieinhalb Monaten in die Endphase getreten ist. Silvio Berlusconi (li. im Bild) prangerte Mario Monti (re.) als "kleinen Professor" an, Mitte-links-Chef Pierluigi Bersani wiederum will den Stiefelstaat "erneuern".

Medienzar Berlusconi appellierte am Montag an die gemäßigte Wählerschaft, nicht für seinen Vorgänger Monti zu stimmen. "Die Stimmen für Monti dienen der Bildung einer Linksregierung. Dann macht es mehr Sinn, gleich die Mitte-links-Allianz zu wählen. Die Stimmen für Monti sind verschwendet, weil sie uns die Mehrheit entziehen könnten", warnte Berlusconi in einem Radiointerview.

Der TV-Tycoon prahlte mit Optimismus: "Ich habe die absolute Gewissheit unseres Sieges." Es bestehe seiner Ansicht nach keine Gefahr, dass es wegen unklarer Machtverhältnisse bald wieder zu Neuwahlen komme. Seine Partei habe im vergangenen Jahr, als er sich von der Politik ferngehalten habe, an Popularität verloren. "Jetzt bin ich wieder zurück, und wir haben das Vertrauen der Wählerschaft zurückgewonnen. Sie wissen, dass wir die einzige Alternative zur Sparpolitik Montis sind, die Italien in die Rezession getrieben hat", erklärte Berlusconi. 

Berlusconi "ein Unternehmer, der weiß, was Wirtschaft ist"
Er bezeichnete Monti als "kleinen Professor", der die Wirtschaft nur von einem "Schlüsselloch" aus betrachte und keine Ahnung von realer Wirtschaft habe. "Ich bin dagegen ein Unternehmer, der weiß, was die Wirtschaft wirklich ist", sagte Berlusconi.

Monti reagierte auf den Angriff seines Vorgängers scharf. "Vielleicht habe ich weniger aktive Politik als Berlusconi betrieben, weil ich kein Unternehmer bin. Ich habe aber die Wirtschaft mehr als er beobachtet. Als EU-Kommissar für den Wettbewerb habe ich mich um die Regelung der Konkurrenz beschäftigt und mich mit Mechanismen befasst, die Berlusconi wenig mag", sagte Monti in Anspielung auf die Interessenskonflikte seines Vorgängers im Medienbereich.

Monti: Italien heute international "angesehen und respektiert"
Monti appellierte an die italienischen Wähler, der Ära Berlusconi ein Ende zu setzen. In 20 Jahren auf der politischen Bühne habe der Medienzar seine versprochene liberale Revolution nicht umgesetzt. Monti beteuerte, dass sein Fachleutekabinett Italien vor dem finanziellen Abgrund gerettet habe. Heute sei Italien auf internationaler Ebene "angesehen und respektiert".

Appelle an die Wählerschaft richtete auch Mitte-links-Chef Bersani. "Wir bitten die Wähler, uns in die Lage zu versetzen, Italien zu regieren und Erneuerung in die Wege zu leiten, ohne Märchen zu erzählen - und vor allem ohne Demagogie", sagte der Vorsitzende der Demokratischen Partei.

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