16.02.2013 20:46 |

Empörung in Schweiz

Boss von Novartis streift Abfertigung von 60 Mio. Euro ein

Die millionenschwere Abgangszahlung für Novartis-Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella sorgt in der Schweiz für Empörung. Justizministerin Simonetta Sommaruga sagte am Samstag im Fernsehen, in der Bevölkerung brodle es, die Wut über maßlose Bonuszahlungen sei riesig. Was über Vasella bekannt geworden sei, mache sie "sprachlos", so Sommaruga.

Vasella hatte am Freitagabend im Schweizer Fernsehen eingeräumt, dass er nach seinem Ausscheiden beim Pharmaunternehmen Novartis in sechs Jahren bis zu zwölf Millionen Franken (9,75 Millionen Euro) jährlich erhalten werde. "Man käme im Laufe von sechs Jahren auf maximal 72 Millionen Franken", erklärte er. Bedingung für den Erhalt dieser umgerechnet 58,4 Millionen Euro sei lediglich, dass er nicht für ein Konkurrenzunternehmen arbeite und Novartis berate.

Die "Neue Zürcher Zeitung" kommentierte am Samstag: "Zu grotesk und dem gesunden Menschenverstand widersprechend waren die Auswüchse von Vasellas Vergütungen in den letzten Jahren. Und zu stark ist das Empfinden, mit diesen Salären seien die in der Schweiz gültigen gesellschaftlichen Regeln missachtet worden." Der Chef der Regierungspartei FDP (Freisinnige/Liberale), Philipp Müller, erklärte: "Herr Vasella führt die liberale Schweiz aufs Schafott." Markus Büchel, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, meinte in einem Radiointerview: "Das geht über alle Dimensionen des Vernünftigen hinaus."

Hunderte Millionen Franken verdient
Am kommenden Freitag tritt der 59-Jährige Vasella auf der Generalversammlung des Konzerns ab, womit für den Pharmakonzern eine Ära endet. Vasella trat 1996 nach der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy an die Spitze der neu geformten Novartis. 1999 übernahm er auch das Amt des Präsidenten. Über die Jahre hat er Hunderte Millionen Franken verdient. Das machte ihn zu einem der am besten bezahlten, aber auch umstrittensten Manager der Schweiz.

Neben seinem hohen Gehalt wurde Vasella auch immer wieder vorgehalten, dass der Aktienkurs nicht recht vom Fleck käme und der Kursentwicklung des Rivalen Roche hinterherhinke. Auf der letzten Generalversammlung sprachen sich fast 40 Prozent der Aktionäre in einer Konsultativabstimmung gegen die Managerlöhne bei Novartis aus.

Volksabstimmung über Managerlöhne
Vasellas Ankündigung kommt nur zwei Wochen vor der Volksabstimmung über Managerlöhne in der Schweiz. Die sogenannte "Abzocker-Initiative" sieht vor, dass Aktionäre in Zukunft nicht nur konsultativ, sondern bindend über Managerlöhne abstimmen können.

Gemäß Umfragen waren die Befürworter der Initiative schon vor der Nachricht über Vasellas Abgangszahlung vorne gelegen. Politologen und andere Beobachter gehen nun nicht mehr davon aus, dass es den Gegnern unter Führung des Wirtschaftsverbandes noch gelingen wird, das Blatt zu wenden.

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