"Schaden Kindern"

Island denkt über völliges Verbot von Online-Pornos nach

Web
15.02.2013 09:48
Europas nordwestlichste Insel Island plant Medienberichten zufolge die völlige Blockade von Pornografie im Internet. Wird das Vorhaben realisiert, wäre Island das erste demokratische Land des Westens, in dem das Internet zensiert wird. In der isländischen Politik ist das Thema ein Dauerbrenner. "Wenn wir Menschen auf den Mond schicken können, dann müssen wir auch fähig sein, Pornos im Internet zu bekämpfen", sagt Halla Gunnarsdóttir, eine Befürworterin der Pornosperre.

Der geplanten Sperrung von Online-Pornos in Island war eine von der Regierung in Auftrag gegebene Studie vorausgegangen, die zu dem Ergebnis kam, dass das Betrachten von pornografischem Material im Internet erhebliche psychische Schäden an Kindern und Jugendlichen nach sich ziehen könnte. Kinder, die gewalthaltiger Pornografie im Internet schon in frühen Jahren ausgesetzt würden, hätten ähnliche Anzeichen einer Traumatisierung gezeigt wie Kinder, die tatsächlich missbraucht wurden, heißt es in der Studie.

Arbeitsgruppen sollen Konzepte für Pornosperre finden
Innenminister Ögmundur Jónasson hat aus diesem Grund Arbeitsgruppen damit beauftragt, die besten Maßnahmen zu finden, um Pornografie im Web zumindest in Island den Garaus zu machen. Als erfolgversprechende Ansätze betrachtet die isländische Politik die Sperre jeglicher Websites, deren IP-Adresse mit Pornografie in Zusammenhang steht, oder das Verbieten des Kaufs kostenpflichtiger Online-Pornografie mit isländischen Kreditkarten.

Beide Ansätze sind schwierig durchzusetzen: Um Pornoseiten anhand der IP-Adresse zu blockieren, bräuchte es eine umfassende Liste der IP-Adressen aller Sex-Seiten im Internet, die laufend aktualisiert und gewartet werden müsste. Täglich könnten neue Schmuddelseiten online gehen, die in der Liste nicht sofort erfasst werden können. Und das Verbot der Kreditkartenzahlung an Pornounternehmen erfasst keine werbefinanzierten Gratis-Pornoportale, wie sie in den letzten Jahren einen beachtlichen Aufstieg erlebt haben.

Anti-Porno-Gesetz soll isländische Eltern entlasten
"Dieser Schritt ist nicht gegen Sex gerichtet. Er ist gegen Gewalt gerichtet", betont Gunnarsdóttir, eine Beraterin des Innenministers. Es gehe darum, dass immer mehr Kinder Pornos sehen und das Gesehene nachahmen würden. Dem müsse ein Riegel vorgeschoben werden, sagt die Politikerin der britischen Tageszeitung "Daily Mail". Außerdem könne man nicht die gesamte Verantwortung dafür, was Kinder im Internet anstellen, den Eltern überlassen. "Sie können nicht die ganze Zeit bei ihren Kindern sein und die Pornoindustrie versucht aktiv, an Kinder heranzutreten", sagt Gunnarsdóttir.

Die 319.000-Einwohner-Insel im Nordatlantik ist jedoch nicht das einzige Land, das den Kampf gegen Online-Pornos aufgenommen hat. Auch in Großbritannien (siehe Infobox) wird eine automatische Pornosperre seit geraumer Zeit diskutiert. Im Gegensatz zum isländischen Modell sieht sie nicht die allgemeine Sperre von Pornos im Web vor. Vielmehr soll Pornografie im britischen Modell zunächst standardmäßig vom Provider blockiert werden, und auf Wunsch wieder freigeschaltet werden können. Der Vorschlag stieß allerdings auf Ablehnung - auch seitens der britischen Eltern - und wurde zunächst wieder verworfen.

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