Die Preise für Strom und Gas gehen derzeit zwar wieder zurück, am mangelnden Wettbewerb ändert das aber nichts. Die Wettbewerbsbehörde und die E-Control kritisieren „monopolartige Größenordnungen“ und zu wenig Transparenz. Als nächstes soll die Fernwärme unter die Lupe genommen werden.
Die Strom- und Gaspreise sind hoch, trotzdem wechseln die meisten Haushalte nicht ihren Tarif. „Jeder Zweite hat noch nie den Anbieter gewechselt“, sagt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Einzelne Anbieter haben daher dominante Marktstellungen, am Gasmarkt spricht Natalie Harsdorf-Borsch, Chefin der Bundeswettbewerbsbehörde, sogar von „monopolartigen Größenordnungen“. Sie und Urbantschitsch sehen eine Trägheit der Kunden, was Wechsel betrifft. „Es ist Wettbewerb, aber niemand geht hin“, so Harsdorf-Borsch.
Strompreisbremse nicht gut für Wettbewerb
Die Strompreisbremse sei für den Wettbewerb zudem kontraproduktiv. Denn, liegt ein Preis über 10 Cent pro Kilowattstunde, wird der darüber liegende Betrag meist vom Staat übernommen. Der Konsument hat wenig Anreiz zu wechseln. Daher profitieren besonders die Landesversorger. Kleine Anbieter haben es hingegen schwer, mit attraktiven Angeboten am Markt Fuß zu fassen.
„Es ist Wettbewerb, aber niemand geht hin.“
Natalie Harsdorf-Borsch, Bundeswettbewerbsbehörde
Ein Problem ist, dass viele der Kunden nicht einmal einen Überblick haben, wie viel sie bezahlen. 84 Prozent der Gaskunden wissen nicht, wie hoch ihr Gaspreis ist, 68 Prozent kennen ihren Tarif für die Kilowattstunde Strom nicht. Urbantschitsch fordert mehr Transparenz und kritisiert inkonsistente Indexanpassungsklauseln. Kunden müssten über ihre Kosten Bescheid wissen, um überhaupt eine Entscheidung fällen zu können.
In den Ländern hohe Dominanz der Anbieter
Harsdorf-Borsch veranschaulicht die Dominanz einzelner Anbieter anhand mehrerer Beispiele im Gassektor: So machen in Wien alternative Gasanbieter nur rund ein Viertel aus. Im zweitgrößten Netz in Niederösterreich hat die EVN einen Marktanteil von 70 Prozent, bei Strom ist dieser noch höher. Ganz klare Verhältnisse herrschen im Westen Österreichs: Dort erreichen die Landesversorger Marktanteile von über 90 Prozent, mit einem Spitzenwert von 97 Prozent in Vorarlberg.
BWB will auch Markt für Fernwärme unter die Lupe nehmen
Anlass zur Prüfung sieht die BWB aber auch im Fernwärmesektor und startet nun eine Branchenuntersuchung. Rund 30 Prozent der Österreicher werden so versorgt, genauer hinschauen will die Behörde vor allem bei Fernwärmebetreibern in den Ballungszentren.
Diese haben dort eine natürliche Monopolstellung, unterstehen aber nicht der Kontrolle der E-Control. Die Preise waren in den vergangenen Jahren großen Schwankungen nach oben ausgesetzt.
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