Film & Livealbum

Ghost stehen am Zenit ihrer einzigartigen Karriere

Musik
24.07.2024 09:00

Vor gut einem Monat kam der Ghost-Film „Rite Here Rite Now“ in die Kinos, mit dem sich Vollblutmusiker und Bandchef Tobias Forge einen langgehegten Traum erfüllte. Dem Erfolgsprodukt stellt die Band nun noch einen Live-Soundtrack samt neuem Song nach – und der allgemeine Erfolg schreitet unaufhaltsam voran.

kmm

Ghost-Frontmann Tobias Forge hat nicht nur in vergangenen „Krone“-Interviews des Öfteren angemerkt, dass er sich mit seinem Lebensprojekt weit mehr vorstellen kann als eine bloße Band, die sich mit Musik in die Herzen der Fans spielt. Es war die Rede von einem abendfüllenden Theater oder einer aufregenden Broadway-Show. Irgendetwas, wo sich Heavy Metal, Hard Rock, Theatralik, Dramatik und Verkleidungs-Mummenschanz so vereinbaren ließen, wie es die Welt (fast) noch nie gesehen hat. Nun ja, es gab natürlich KISS, doch auch wenn deren Frontmann Gene Simmons am Ende doch der geschicktere Geschäftsmann sein sollte – Forge geht inhaltlich wesentlich ernsthafter und stringenter an die Sache ran und plant kongruent mehrere Jahre im Voraus.

Neuartige Gemengelage
So hat sich der Schwede schon vor langer Zeit an Unterstützer und potenzielle Geldgeber herangepirscht, um ein ihm besonders wichtiges Projekt in die Realität umzusetzen: einen Film. Wohlgemerkt: Kein reiner Konzertmitschnitt, das wäre freilich viel zu bieder. „Rite Here Rite Now“, der Titel wurde leicht abgewandelt einer Songzeile des Hits „Square Hammer“ entlehnt, ist eine interessante Gemengelage, wie es sie in dieser Umsetzung bislang noch nicht gegeben hat. Als Grundlage dienen die im September 2023 aufgezeichneten, finalen Shows der „Re-Imperatour“ im Kia Forum von Los Angeles, die im typischen Livesetting zu einem Erlebnis zusammengeschnitten wurden und auch Nebengeräusche wie explosive Pyro-Effekte, Zwischenansagen und Publikumsjubel beinhalten.

Verwoben wird dieses pompöse Live-Erlebnis mit einer lose aufgegriffenen, wiederkehrenden Geschichte, deren Handlungsstrang findige Ghost-Fans seit Jahren im Internet begutachten. Die liebevoll und aufwändig inszenierte Reihe weist unterschiedliche Kapitel aus dem Ghost-Kosmos auf, die das überbordende große Ganze von Ghost mithilfe von Alben, Liedern, Konzerten und Interviews erst als ganzheitliche Zugangsmöglichkeit zur Band anbieten sollte. Man bekommt darin tiefere Einblicke in die einzelnen Figuren abseits des üblichen Bandkosmos und kann sich in die nerdige, aber ungemein liebevoll kreierte Welt von Forge einwickeln lassen. Im Neusprech würde man wohl von einer holistischen Erfahrung sprechen, die sich durch den Film ergibt, der vor gut einem Monat auch kurz in ausgewählten Kinos ausgestrahlt wurde.

Ein Erfolg für das Herz
Der Lohn für die intensiven Mühen Forges hat sich mehr als ausgezahlt. Der Film schaffte es auf Anhieb in die Top-10 der weltweiten Kinocharts, in Deutschland war zwischenzeitlich sogar ein mehr als beachtlicher dritter Platz drin. Der Film wurde innerhalb von vier Tagen in mehr als 1800 Kinos in 49 verschiedenen Ländern gezeigt und spielte dabei rund fünf Millionen US-Dollar ein, was im Hard-Rock-Filmsegment das Erreichen neuer Ufer bedeutete. Weniger überrascht als erfreut zeigte sich Forge über diesen fulminanten Erfolg in einem Statement: „Da ich den größten Teil meines Lebens einen Film machen wollte, war ich davon überwältigt zu sehen, dass unsere Fans Interesse an dem Film gezeigt haben, bevor er überhaupt veröffentlicht war. Nun, da die Menschen ihn nicht nur gesehen haben, sondern ihn auch zu mögen scheinen, geht mir das wirklich ans Herz. Danke euch allen!“

Mit einem derartigen Feedback lässt sich der Erfolg dieses endlich erfüllten Bubentraums noch viel besser auskosten und Ghost haben damit die nächste Stufe in ihrer einzigartigen Karriere erklommen. Dass man sich ausgerechnet die mit striktem Handyverbot im Zuschauerraum begleiteten Konzerte in L.A. ausgesucht hat, ist natürlich auch kein Zufall. Wiewohl Ghost (mit Ausnahme Österreichs) in Europa auf ein respektables Following bauen können, sind es die nach Effekten und Geschichten lechzenden Amerikaner, die Ghost erst zu so einer Größe gedeihen ließen. Das satanisch angehauchte Konzept mit den musizierenden Ghouls und diversen teuflischen Kardinälen und Päpsten hat sich mittlerweile schon in die Alltagskultur der amerikanischen Fans gefräst und einen unvorstellbaren Hype ausgelöst, der hier einen vorläufigen Zenit erreicht.

Nächstes Karrierekapitel
Einen guten Monat nach dem Kinovergnügen lässt das Label Loma Vista Recordings auch den dazugehörigen Soundtrack von der Leine, bei dem man noch einmal tief in die Welt von Ghost eintauchen kann und in 18 Kapiteln einen bunten Querschnitt über das Schaffen der schwedischen Rockband bekommt. Beeindruckend ist dabei die musikalische Range von Forge und seinen Mitstreitern, die von astreinen Pop-Nummern nach ABBA-Bauart bis hin zu harten Metal-Brechern reicht und dazwischen von Prog über Gothic bis zu Indie-Anklängen alles streift, was zum guten Populärmusik-Ton gehört. Mit dem etwas faden „The Future Is A Foreign Land“ gibt es sogar einen brandneuen Song, der am Ende etwas unpassend zum Livekonzert gekoppelt wird. Als Überbrückung zum Film im Heimkino und dem nächsten Studioalbum taugt das schöne Stück hier aber allemal.

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