Carlo Goldonis „Trilogie der Sommerfrische“ in der Regie von Janusz Kica glückt dem Theater in der Josefstadt mit einem entfesselt komödiantischen Ensemble. Sehr zu empfehlen.
Das spielt der „Josefstadt“ derzeit im Hauptstadttheater niemand nach: diese elegante, unhysterische, am Text und den Schauspielern orientierte Modernität, wie sie der Regisseur Janusz Kica pflegt. Dem Besucherherzen wird da inmitten der zwangsrabiaten Festwochen ein Stück Sommerfrische gewährt. Bei Kicza (Bild: Karin Fritz) sind die Farben düsterer als einst bei Giorgio Strehlers lichtdurchflutetem Wunder auf fast leerer Burgtheaterbühne. Aber das Prinzip ist das gleiche: alle Macht für Goldonis Text, der die Commedia dell’arte mit Psychologie und starken Frauengestalten auflädt; und den auf großer Höhe brillierenden Schauspielern.
Menschen am Aufbruch in den Urlaub, ihn dann konsumierend, dann aus ihm zurückgekehrt. Aber der Erholungswert ist gering, denn jeder trägt seinen Packen aus unerfüllbarer Sehnsucht, Lebensversagen und Egoismus. Kica löst das brillant: Die Gestalten sind durch choreografiert, rasend komisch bis zur Absurdität, aber keine ferngesteuerten Hanswurste, sondern Menschen in Bedrängnis.
Am Schluss sind alle Illusionen verbraucht, und dieses sehr starke Finale wirkt nicht ganz fertig geprobt. Besser, man hätte vorher eine halbe Stunde geopfert. Mehr ist an diesem erfreulichen Abend nicht einzuwenden. Nennt man unter den Schauspielern Claudius von Stolzmann, Juliette Larat, Paula Nocker, Katharina Klar, Larissa Fuchs und den auf Fellini-Höhe agierenden Marcello de Nardo, so tut man neun anderen unrecht. Das Dilemma würde man anderen Bühnen wünschen.
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