Unfassbare Vorwürfe gibt es gegen einen 70-jährigen Opa, der in Mittelkärnten seine drei Enkel großgezogen hat, nachdem sich die Mutter für ihre Karriere entschieden hatte. Der Mann steht nun im Verdacht des schweren Missbrauchs. „Nein, nein“, meint er. „Das waren nur Übertretungen.“ Er habe dem Kind beim Sex helfen wollen!
Manche Prozesse am Landesgericht Klagenfurt zeigen die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele, lassen Zuseher und Beteiligte oft ratlos und erschüttert zurück. Wie dieser gegen einen 70-jährigen Esoteriker, der seit über einem halben Jahr in Untersuchungshaft sitzt und sich dementsprechend leid tut. Zu Verhandlungsbeginn beklagt er gleich die mangelnde Hoffnung durch seinen Rechtsanwalt: „Eigentlich sollte er mich ja aufbauen“, schimpft er.
Doch der erfahrene Verteidiger ist Realist. Die Anklage lautet auf schweren sexuellen Missbrauch, Blutschande, Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses und auch fortgesetzte Gewaltausübung. Und der Angeklagte streitet zwar jede Form der Gewalt gegenüber seinen drei Enkelkindern ab, legt aber beim Missbrauch ein sehr befremdliches und abstoßendes Geständnis ab: „Ich fühle mich nur schuldig, dass es da bei der Enkelin Übertretungen gegeben hat, von denen ich nun weiß, dass man sie als Missbrauch auslegen könnte.“
„Biologie-Unterricht“ mit einem Kind
Auslegen könnte? Der Opa gibt allen Ernstes an, er hätte das Mädchen bei der Aufklärung und den selbstbestimmten Umgang mit seinem Körper helfen wollen. „Es ging auch um den Biologie-Unterricht im Home Schooling. Ich habe ihr gezeigt, wie es geht“, sagt er und scheint das fast für normal zu halten, dass sich ein Großvater an einem Kind vergreift. Das Opfer schildert alles noch viel schlimmer – dass es nicht um „Biologie“ ging, sondern sich der Mann ab seinem 12. Lebensjahr an der Kleinen „abreagiert“ hatte.
Ich habe mich eben für meine Firma entschieden und meine drei Kinder zu meinem Vater gegeben.
Eine Mutter erzählt, warum drei kleine Kinder beim Opa aufgewachsen sind – und möglicherweise Traumatisches erleben mussten.
Die Folgen für das ohnehin entwicklungsverzögerte Mädchen sind traumatisch. Zunächst von der eigenen Mutter verlassen, dann von der einzigen wichtigen Bezugsperson in seinem Leben mutmaßlich über Jahre hinweg sexuell schwer missbraucht.
„Die Tochter hat mehrere Suizidversuche hinter sich, ist seit Monaten im Krankenhaus“, erzählt ihre Mutter, die sich, was das Schicksal ihrer Kinder anlangt, offenbar eine eigene Wahrheit zurechtgezimmert hat: „Die kleineren Kinder waren fünf und sieben Jahre alt, als sie zu meinem Papa gekommen sind. Ich habe Unterhalt bezahlt und eine Firma aufgebaut. Es gibt mehrere Varianten der Erziehung und ich habe mich eben für meine Firma entschieden.“
Schicksal der Kinder in Kärnten erschüttert
Schweigen im Gerichtssaal. Was soll man da noch sagen? Dass ihr „Papa“ ein trockener Alkoholiker war und drei kleine Kinder alleine großziehen sollte, scheint die Mutter in Kauf genommen zu haben. Natürlich geht es in dem Verfahren nicht um sie, sondern um das, was ihrem Vater angelastet wird – doch das ganze Bild der Umstände, in denen drei Kinder mitten in Kärnten aufwachsen mussten, macht nachdenklich. Wie geht es vor Gericht weiter? Das Urteil gegen den Angeklagten steht aus; möglicherweise werden noch weitere Zeugen benötigt.
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