Der Schweizer Musiker DJ Bobo soll in seiner 30-jährigen Karriere 25 Millionen Franken gescheffelt haben – aber diesen finanziellen Erfolg wollte er offenbar nicht mit Sängerinnen teilen, die ihm ihre Stimme für viele seiner Hits geliehen haben. Zwei Betroffene packten nun aus. „Freiwillig hätte mir René Baumann alias Bobo nichts bezahlt“, erklärte die Musikerin Emel, für die ein Top-Anwalt schließlich eine hohe Summe verhandeln konnte. Eine andere ging fast leer aus.
Den Fall ins Rollen gebracht hatte die Sängerin Lori Glori, die ihre Lebensgeschichte dem Schweizer „Blick“ anvertraute. Nachdem sie 1990er-Jahren von den USA nach Deutschland gekommen war, wurde sie zu einer der bekanntesten Stimmen des Eurodance. Doch das brachte ihr weder Ruhm noch Reichtum, wie Glori erklärte.
Nur 5000 Euro für Beteiligung an Mega-Hits
Denn jener Mann, der ihre Stimme weltberühmt machte, habe sie nie angemessen bezahlt. Als sie ihm 1994 begegnete, lud er sie in sein Studio ein und sie nahmen ein paar Songs auf. Kurz darauf bekommt sie 10.000 Deutsche Mark (rund 5100 Euro) in die Hand gedrückt und unterschreibt ein Dokument. Was sie nicht ahnt: Damit tritt sie ihre Urheberrechte ab. „Ich konnte kaum Deutsch und ich dachte, es sei eine Quittung“, so Glori.
Erst als sie ihre Stimme auf MTV hört, erfuhr sie, was aus den Aufnahmen geworden ist. Der erste Mega-Hit, den DJ Bobo mit ihrer Stimme landete, war die Nummer „Let the Dream Come True“. Während der Musiker mit ihrer Stimme reich wird, landete Glori verarmt auf der Straße. Auf ihre Anrufe habe sein Management nicht reagiert. Die Sängerin ist auch in den Songs „There’s a Party“, „Pray“ und „Respect Yourself“ zu hören.
Auch eine andere Sängerin, die zum Zeitpunkt ihrer Zusammenarbeit mit DJ Bobo erst 16 Jahre alt war, erhebt schwere Vorwürfe. Emel sang für ihn die Hookline für das Lied „Somebody Dance With Me“ ein. „Er sagte damals, dass er kein Geld habe. Dafür vereinbarten wir eine Beteiligung, wenn der Song erfolgreich wird.“ Die Nummer wurde DJ Bobos erster Nummer-1-Hit.
Erst Top-Anwalt konnte faire Tantiemen erstreiten
Doch freiwillig wollte der Musiker seinen finanziellen Erfolg nicht mit Emel teilen, wie sie erzählt. Erst als sie bei der deutschen Plattenfirma BMG unterkam, bekam sie Unterstützung. „Sie haben mir einen Top-Anwalt aus der Schallplattenindustrie zu Seite gestellt.“ Bobo reagierte und legte Quittungen für Auftrittsgagen vor, auf die nachträglich draufgeschrieben wurde. „Damit wollte man beweisen, dass ich meine Urheberrechte an dem Song abgetreten hatte. Ein ziemlich plumper Versuch“, urteilt Emel.
Hartes Urteil von Sängerin Emel: „Abzocke“
Erst als Emels Anwalt mit Klage wegen Urkundenfälschung drohte, sei es schließlich zu einer außergerichtlichen Einigung und sie bekam Tantiemen in der Höhe eines sechsstelligen D-Mark-Betrags. Das verlieh ihrer eigenen Karriere Aufwind. „Und Lori hätte dasselbe verdient. Was man mit ihr gemacht hat, ist eine Abzocke“, ist Emel überzeugt.
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