29.08.2012 07:37 |

Bitte um Huldigung

Die schöne Giulietta zeigt mir ihre kesse Doppelkupplung

Die Beziehung zwischen der bildschönen Dame namens Giulietta und mir ist eine ganz spezielle: Mit einem vierblättrigen Kleeblatt im Mundwinkel begeisterte sie mich auf ihre angenehm sportliche Art, mit dem neu entwickelten Doppelkupplungsgetriebe bekam die Liebe dann einen kurzzeitigen Knacks – es fiel beim ersten Test aus. Nun tritt der schöne Alfa Romeo - pardon, die schöne Giulietta erneut an, um mich von den Qualitäten ihres "TCT" zu überzeugen.

Eines sei vorausgeschickt: Beim seinerzeitigen Ausfall (siehe Infobox) lag der Fehler in einem zu geringen Hydraulikölstand, der die vielfach vernetzten Systeme komplett verweigern ließ. Mit einem Extra-Schluck Öl waren die Probleme denn flugs weggespült. Nun also eine zweite Testfahrt, diesmal nicht auf dem Alfa-Testgelände im oberitalienischen Balocco, sondern auf mir vertrauten Straßen. Und diesmal zeigte sich die Dame mit ihren High-Tech-Innereien von ihrer zuverlässigen Seite (was man der Giulietta – hört, hört – ja generell nachsagt).

Das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (gut 1.600 Euro Aufpreis, Paddles extra) ist auf jeden Fall mit einem 170-PS-Motor verbunden, wahlweise mit einem 2-Liter-Turbodiesel oder – wie in meinem Fall – mit einem 1,4-Liter-MultiAir-Benziner. Wunderschön ist sie in beiden Fällen, die Giulietta ist die Augenweide der Kompaktklasse, sportlich, elegant, stilvoll bis ins Detail. Aber ich schweife ab.

Sauber und weich wie die anmutigen Bewegungen einst der Sophia Loren schaltet das TCT die sechs Gänge durch, ohne Zugkraftunterbrechung, wie es sich gehört. Beim Runterschalten gibt die Italienerin cool Zwischengas. Allerdings stellt sich die Frage, warum man in Turin nicht gleich sieben Gänge eingebaut hat, wo der Trend doch eher zu mehr Fahrstufen geht. Hat natürlich auch einen Vorteil: Ein echter Alfista schaltet sportlich manuell per Paddles und behält bei sechs Gängen besser den Überblick, wo er sich gerade befindet. Und auch so ist die TCT-Version im Normverbrauch einen halben Liter günstiger als der Schalter. Dass im Test unterm Strich 9,8 l/100 km statt 5,2 durch die Einspritzdüsen flossen, ist eine andere Geschichte.

Dauer-Zweiter beim Ampelstart
So schön und weich das TCT schaltet, so gemächlich geht es die Sache an, wenn es ums Anfahren geht. Knapp aus einer Einmündung rausfahren wird zum russischen Roulette, beim Ampelstart hat man in der Regel das Nachsehen. So fährt es sich generell nicht sehr harmonisch, denn man versucht oft, die Anfahrschwäche mit mehr Gas auszugleichen, was dazu führt, dass man direkt danach zu stark am Gas steht. Besonders im Dynamik-Modus, wo die Gaskennlinie besonders steil ist, nervt das.

Wenn man beschleunigen will, schaltet das TCT zu spät runter, hält dann aber den niedrigeren Gang zu lange. Für den Kickdown reicht nicht ein einfaches "pedal to the metal", sondern man muss das Gaspedal kräftig in den Boden drücken. Interessanterweise ist ein Runterschalten per Paddle noch bei Drehzahlen möglich, wo der Kickdown schon verweigert.

Insgesamt arbeitet Alfas Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe gut und mit weichen Schaltvorgängen, im Detail würde ich mir aber noch Feinarbeit und eine Überarbeitung der Software wünschen. Schön wäre auch, wenn man die Motorcharakteristik unabhängig von der Schaltcharakteristik ändern könnte – der DNA-Schalter regelt beides nur im Paket.

Wer eine Giulietta mit Automatik will, den werden die kleinen Schwächen nicht stören. Klar funktioniert das DSG von VW eine Spur besser – aber würde ein Alfista deshalb statt der Giulietta einen Golf kaufen? Eben.

Warum?

  • Weiches, sauberes Schalten
  • Verbrauchsgünstiger als der Handschalter

Warum nicht?

  • Unsauberkeiten im Detail

Oder vielleicht …

… einfach die Giulietta mit manuellem Getriebe nehmen - oder es einfach nicht so eng sehen.

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