Putin-Gegnerinnen

Weitere 6 Monate U-Haft für Punks von Pussy Riot

Ausland
20.07.2012 15:24
Keine Gnade nach Punk gegen Putin: Die drei Musikerinnen der russischen Skandal-Band Pussy Riot müssen ein weiteres halbes Jahr in Untersuchungshaft bleiben. Das entschied ein Moskauer Gericht am Freitag, nachdem es dem Antrag der Staatsanwaltschaft Folge geleistet hatte. Die Künstlerinnen bleiben demnach mindestens bis zum 12. Jänner 2013 inhaftiert. Die erste Anhörung der Putin-Gegnerinnen war von Festnahmen und scharfen Sicherheitsvorkehrungen begleitet.

Jekaterina Samuzewitsch (29, li.), Nadeschda Tolokonnikowa (22, m.) und Maria Aljochina (24, re.) hatten am 21. Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale in einem "Punk-Gebet" (Bild 2) die Gottesmutter angefleht, Russland von Wladimir Putin zu erlösen. Darin hieß es unter anderem: "Maria, Mutter Gottes - verjage Putin!" Schon zuvor hatte die Band mehrere spontane Protestkonzerte abgehalten, darunter auch auf dem Roten Platz. Bei ihren Auftritten tragen die Sängerinnen Strickhauben, die ihre Gesichter verdecken. Den Frauen drohen nun wegen Rowdytums bis zu sieben Jahre Haft. Am Montag soll das Datum des Prozessbeginns bekannt gegeben werden.

Verteidigung wollte Putin vorladen
Bei der Anhörung mussten die drei Frauen, wie in Russland üblich, in einem Gitterkäfig sitzen. Die Verteidigung forderte zu Beginn der Anhörung die Vorladung von Putin. Der Präsident soll als Zeuge gehört werden. Dies lehnte das Gericht aber ab. Danach beantragten die Anwälte der Gruppe ein neues Gutachten über den Auftritt der Band. Das Gericht habe die Argumente der Anwälte schlicht ignoriert, kritisierte der Jurist Mark Feigin. "Das ist ein politischer Prozess." Er warf den Behörden vor, die Gruppe aus politischen Motiven zu unterdrücken.

Proteste von Fans und Gegnern
Mehrere russische Schriftsteller, darunter der auch der international bekannte Autor Boris Akunin, kritisierten den Umgang der Justiz mit den jungen Frauen. Andere Kritiker wiesen zudem darauf hin, dass zwei der Inhaftierten kleine Kinder haben. Bei Protesten von Anhängern und Gegnern der Musikerinnen vor dem Gerichtsgebäude führte die Polizei am Freitag mindestens vier Menschen ab, wie die Agentur Interfax meldete. "Russland wird zu einem totalitären Staat", klagte Stanislaw Samuzewitsch, der Vater einer der Angeklagten. 

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