Schauspielhaus Graz

Abtauchen in die Jauchengrube des Werner Schwab

Steiermark
18.01.2024 16:00

Vor 30 Jahren ist der Grazer Autor Werner Schwab viel zu jung verstorben - er war zu der Zeit der meistgespielte deutschsprachige Dramatiker. Das Grazer Schauspielhaus widmet ihm nun die Hommage „Schwabgasse 94“: unterhaltsam, aber ohne wirkliche Brisanz. 

„Theater ist ein herrlicher Schrottplatz“, hat Dramatiker Werner Schwab seine Missgunst gegen die „reaktionäre“ Bühnenkunst einst formuliert. Dagegen schrieb der Grazer mit seinen ebenso sprachgewaltigen wie fäkalhumorigen Stücken zu Lebzeiten an und avancierte damit zum meistgespielten deutschsprachigen Theaterautor seiner Generation - bis zu seinem verfrühten Tod im Jahr 1994.

Waldheim mit Teufelshörnern
Das Grazer Schauspielhaus kehrt nun mit dem Stück „Schwabgasse 94“ auf diesen Schrottplatz (Bühne: Patrick Bannwart) zurück. Ein riesiger Winke-Papst Johannes Paul II. ist dort genauso zu finden wie ein Waldheim-Porträt mit Teufelshörnern und eine Kloschüssel umrandet von Marienstatuen - Versatzstücke aus Schwabs Welt, aus der auch sich einige seiner prägnantesten Figuren winden:

Hermann Wurm (Mervan Ürkmez) und seine Mutter (Olivia Grigolli) streiten sich in der Küche, Herr Kovacic (Franz Solar) eskaliert im Wohnzimmer, bis er und seine Frau (Karola Niederhuber) von den Töchtern (Luisa Schwab und Chen Emilie Yan) ermordet werden, Mariedl (Annette Holzmann) putzt die Toiletten mit bekannt bloßer Hand und auch der Hundsmaulsepp (Rudi Widerhofer) macht seine Aufwartung.

Abtauchen in die Jauchengrube
Es ist klar: Bösch und sein Team wollen mit ihrer Revue in die politische und gesellschaftliche Jauchengrube abtauchen, aus der heraus Schwab einst seine legendär-skandalösen Texte gefischt hat. Szenen aus diversen Stücken Schwabs vermischt er mit Material aus dessen Arbeitsbüchern und collagiert eine Best-of-Revue. Das Problem: Dieser Zugang ist zwar unterhaltsam, letztlich aber zugleich zu viel und zu wenig.

Gesten laufen ins Leere
Denn so grandios hier auch aus allen „schwabischen“ Kanonen gefeuert wird - ohne ihren Kontext im Stück verkommen die Szenen zu Gesten, die ins Leere laufen und sich schnell ermüden. Schwab war eben nicht nur ein brillanter Wortakrobat, Fäkaljongleur und Provokateur. Vor allem war er ein grandioser Dramatiker, den man am besten ehrt, indem man seine Stücke spielt.

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