Sa, 18. August 2018

Nach Tsunami-Trauma

01.03.2012 10:07

Kuschelige Roboter-Robbe heitert junge Japaner auf

Sie sind kuschelweich und niedlich, doch diese Plüsch-Seehunde können mehr als einfach nur süß aussehen: In den "Paro" genannten Schmusetieren steckt das Hightech-Innenleben von Robotern - und ein bisschen Lebensfreude für die Überlebenden der Tsunami-Katastrophe von Japan. Sobald eines der plüschigen Wesen berührt wird, macht es freundliche Gurgellaute und wedelt mit den Flossen.

Paro kommt etwa in der Hafenstadt Kesennuma zum Einsatz. Die Menschen dort hatten beim Tsunami vom 11. März vergangenen Jahres ihr Zuhause und ihr Lebensglück verloren - und können ein bisschen Zuwendung wohl dringend brauchen.

Auf dem Gelände eines Baseball-Stadions in Kesennuma wurde eine Siedlung mit Übergangswohnungen gebaut. Zwar hat sich die Lage für viele der Menschen hier in den vergangenen Monaten gebessert - doch gut geht es ihnen noch lange nicht. Der zehnjährige Kosei Oyama etwa klagt, heute hätten er und seine Freunde viel weniger Spielzeug als vor dem Tsunami. Die Freude über Paro ist deshalb groß: "Er ist so süß - er gurrt, wenn ich ihn kraule", schwärmt Kosei.

"Ersatz für weggespülte Haustiere"
Die 47-jährige Hausfrau Tsuyako Kumagai sagt, ihre Freundinnen seien ebenfalls froh über Paro. Der künstliche Seehund sei ein Ersatz für die Haustiere, die vom Tsunami weggespült wurden. Neue - echte - Haustiere wollten viele ihrer Nachbarn nicht, berichtet Kumagai: "Für sie waren die Haustiere Teil der Familie."

Der sogar mit einem Schnuller ausgestattete Seehund mit dem treuen Blick ist mit Tast- und Audiosensoren ausgestattet. Paro, der nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP bereits im Jahr 2009 auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas präsentiert worden war, wurde seither in Krankenhäusern und Altenheimen als therapeutische Hilfe für Menschen mit Depressionen oder Demenz erprobt.

Leih-Aktion im Gemeindezentrum
In Kesennuma können die Kuschelroboter nun im Gemeindezentrum ausgeliehen werden. Doch die Organisatoren des Hilfsprogramms für die Tsunami-Überlebenden haben sich noch weitere Angebote einfallen lassen. So gibt es auch Trainingsroboter für mehr Fitness und einen Hightech-Kopfmasseur.

Hiroshi Onodera, der beim Tsunami seinen Neffen verlor und obdachlos wurde, ist froh über das Gemeindezentrum mit seinen Angeboten. "Als wir noch in Notunterkünften lebten, haben wir gut zusammengehalten, doch seit wir die Übergangswohnungen haben, sind wir voneinander getrennt und machen eine sehr stressige Zeit durch", sagt der 51-Jährige: "Deshalb ist es gut, diesen Ort zu haben, der uns bei der seelischen Heilung hilft."

Moderne Technologie fürs Seelenheil
Ein Jahr nach dem Tsunami von 2011 leben nach Angaben der Regierung noch immer etwa 325.000 Menschen in Übergangswohnungen, überwiegend im Norden des Landes. Viele haben Häuser und Wohnungen durch die Katastrophe verloren, andere mussten ihren Wohnort später wegen des Reaktorunglücks von Fukushima verlassen.

Wissenschaftlern zufolge kann moderne Technologie die Auswirkungen einer Katastrophe auf die Psyche lindern. Über das Paro-Projekt in Kesennuma sagt Forscher Kojima, Unterstützung für die Seelen der Überlebenden werde in der nächsten Zeit sehr wichtig sein: "Ich hoffe, die Roboter können dabei helfen."

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