11.01.2012 14:36 |

Die Opposition lebt

Revolutionsdoku: "The Green Wave" erfasst den Iran

Im Iran ist die grüne Opposition vor zweieinhalb Jahren bei dem Versuch gescheitert, das Regime des autoritären Mahmoud Ahmadinejad abzuwählen oder wenigstens zu Reformen zu zwingen. Doch in vielem war die "Grüne Welle" - "The Green Wave" (Kinostart: 13. Jänner) - vom Juni 2009 Vorbild für die ägyptische Bewegung, die erfolgreich Hosni Mubarak stürzte. Damit könnte der Widerstand in Teheran nun eine neue Blüte erleben.

"Seit 150 Jahren sind wir auf der Suche nach unserer verloren gegangenen Stimme", heißt es zu Beginn der Dokumentation, die Ali Samadi Ahadi im vergangenen Jahr unter anderem auf dem renommierten Sundance Festival vorgestellt hat. 2009 sind die Iraner gescheitert - vorerst. Der Film ist eine dokumentarische Collage, viele Texte sind aus Internet-Blogs übernommen.

Neben authentischen Filmszenen der Tage im Juni und Interview-Passagen, etwa mit der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, tragen animierte Szenen die Handlung, sogenannte Motion Comics. Sie übersetzen das in Bilder, was Blogger in den Tagen des Aufstands und seiner brutalen Unterdrückung aufgeschrieben haben.

Es beginnt mit dem 23. Mai 2009, als die "grüne Bewegung" bei einer Massenkundgebung des Oppositionskandidaten Mir Hussein Mussawi erstmals ihre Stärke erkennt - und der Traum vom Wahlsieg über Ahmadinejad greifbar nah erscheint. "Wir waren sicher, dass wir gewinnen würden." Grün ist die Farbe des Islams, der Hoffnung und des Aufbruchs, ein Meer von Grün wogt in der Stadt. "Die Menschen werden sich daran ein Leben lang erinnern."

Doch der Wahltag am 12. Juni ist noch nicht vorbei, da bricht die Euphorie in sich zusammen. Erste Berichte von Fälschungen und Betrügereien machen die Runde. Wahllokale werden abgesperrt, obwohl die Menschen davor noch Schlange stehen, SMS-Verkehr und Handynetze werden gestört, Oppositionsführer Mussawi kann seine Anhänger nicht mehr erreichen. Erste Ergebnisse geben Ahmadinejad 69 Prozent der Stimmen - die Enttäuschung, die Wut, die Trauer sind riesengroß.

In der Nacht schlägt das Regime zurück. Hunderte werden festgenommen, gefoltert, es gibt Tote und Verletzte. "Wo ist meine Stimme?", rufen Anhänger der grünen Opposition am nächsten Tag. Doch die Schergen des Regimes tyrannisieren die Straßen. Als wenige Tage später der geistliche Führer des Irans, Ajatollah Chamenei, für Ahmadinejad Partei ergreift und der Opposition die Schuld an dem Blutvergießen gibt, ist das Ende der Revolte gekommen - jedenfalls zunächst.

Regisseur und Drehbuchautor Ahadi (39) ist in Deutschland aufgewachsen, zuletzt hat er für die Komödie "Salami Aleikum" viel Beifall bekommen. "Iran ist eine Bloggernation. Tausende junger Menschen schreiben ihre Gefühle, was sie bewegt, in ihre Blogs." Aus 1.500 Seiten hat Ahadi dann die wenigen ausgewählt, die er in den animierten Szenen des Films darstellt.

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