Rückkehr der Dinos

Unterhaltsam, aber durchwachsen: "Jurassic Park"

Spiele
01.12.2011 17:08
"Jurassic Park: The Game" ist eine merkwürdige Mischung. Auf der einen Seite stehen die spannende und mitreißend inszenierte Geschichte sowie die gelungenen Charaktere. Andererseits lässt das eigentliche Spiel zu wünschen übrig: Die Grafik ist oftmals unschön und das eigentliche Gaming besteht vor allem aus Quicktime-Events.

Jess ist zu Besuch bei ihrem Vater, Gerry Harding, einem Tierarzt auf Isla Nublar, der aus dem ersten "Jurassic Park" bekannten Insel mit Dinosaurier-Erlebnispark. Das Spiel setzt kurz vor jenem Zeitpunkt ein, an dem im Film das Chaos ausbricht - noch sind die Dinos in ihren Käfigen, der Aufenthalt für das Scheidungskind verläuft langweilig. Das soll sich jedoch bald ändern, als die beiden beinahe Nima Cruz überfahren, eine Söldnerin in Lara-Croft-Manier. Sie hat sich mit einem Kollegen über die Insel gekämpft hat - die beiden sind jene Kontaktpersonen, denen der Verräter Dennis Nedry aus dem Film die gestohlenen Dinosaurierembryos übergeben sollte, wie das Spiel offenbart.

So verknüpft "Jurassic Park: The Game" den ersten Film gekonnt mit neuen Charakteren. Immer wieder werden Inhalte aufgegriffen und ikonische Orte - wie das Besucherzentrum mit den zerstörten T-Rex-Knochen oder das steckengebliebene Auto des toten Nedry - aufgesucht. Das bringt Stimmung! Und natürlich kommen auch die tierischen Hauptdarsteller zu imposanten Einsätzen: Velociraptor, Dilophosaurus, Triceratops, Troodon, nicht zuletzt Tyrannosaurus Rex und andere sind mit dabei. Sie sorgen immer wieder für Spannung, Schreckmomente und Hektik.

Quicktime-Events allerorten
Letztere ist vor allem durch die zahllosen Quicktime-Events bedingt, die das Spiel durchziehen: Um zum Beispiel dem Kampf zwischen Triceratops und T-Rex zu entkommen, müssen in schneller Abfolge verschiedene Tasten bzw. Buttons gehämmert werden. Mittels Gamepad spielt sich "Jurassic Park" deutlich angenehmer, vor allem wenn der Stick innerhalb eines kleinen Kreises positioniert werden muss, der hin und her schwankt. Mit der Maus fällt das deutlich schwerer. Das Knöpfchen-Dreschen, als Button-Mashing bekannt, wird in sämtlichen Action-Szenen eingesetzt - sei es, um gegen Dinos anzutreten, vor ihnen wegzulaufen oder zum Beispiel mit einem schweren Gegenstand ein Schloss zu knacken.

Kaum Rätsel, dafür lahmes Bildschirm-Absuchen
In ruhigen Szenen muss der Spieler die Umgebung absuchen. Dazu schwenkt er innerhalb eines beschränkten Feldes hin und her, interessante Fleckchen werden mittels Lupe und zugehörigem Button hervorgehoben. Falsch machen kann der Spieler in diesen Momenten nichts, ganz im Gegensatz zum meist grausigen Bildschirmtod während der Action-Sequenzen. Die einzige - wenn auch winzige - Herausforderung in den ruhigen Teilen des Spiels besteht darin, dass der Gamer zwischen verschiedenen Screens hin- und herwechseln kann. So muss er etwa Dokumente durchforsten, um mithilfe der gefundenen Informationen eine Wissenschaftlerin andernorts zu beeinflussen. Wer auf ein Adventure hofft, wird übrigens enttäuscht, denn die Rätsel im Spiel können an einer Hand abgezählt werden. Zudem handelt es sich um keine Kopfnüsse, sondern Trial-and-Error-Aufgaben, die noch dazu aufgesetzt wirken.

Interaktiver Film statt echtem Gameplay
Zwischen den Szenen, in denen der Spieler selbst etwas zu tun erhält, warten jede Menge kurze Videosequenzen in In-Game-Grafik, die gut mit den aktiven Parts verschmelzen. So wirkt das Spiel als Ganzes eher wie ein interaktiver Film denn echtes Spiel - Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit gibt es schließlich nicht.

Gelungene Dialoge voller Emotionen und witziger Sprüche
Dialoge sind der dritte Pfeiler von "Jurassic Park: The Game" - und im Gegensatz zum lahmen Absuchen des Bildschirms gut gelungen. Dazu tragen nicht nur die glaubwürdigen Figuren mit eigener Persönlichkeit bei, sondern auch die deutsche und noch bessere englische Sprachausgabe. Auch auf die französische Fassung kann der Spieler jederzeit im Menü umschwenken - sehr löblich! In den Gesprächen gilt es oftmals, aus verschiedenen Antwortmöglichkeiten zu wählen, um mehr über die Charaktere zu erfahren und Konflikte zu lösen. Dabei sind die Gespräche nie langweilig oder langatmig, sondern unterhaltend - dank Emotionen und witziger Sprüche.

Glaubwürdige Charaktere
Jeder Charakter hat Eigenheiten - so ist Jess zwar im Herzen noch ein Kind, durch die Scheidung ihrer Eltern aber gleichzeitig unglücklicher Teenie mit rebellischen Zügen und Hang zum kleinen Diebstählen. Doktor Sorkin wiederum, die letzte verbliebene Wissenschaftlerin, gerät mit Jess' Vater aneinander, da sie eigenmächtig beschließt, den Dinos ein natürliches Leben zu ermöglichen. Söldner Billy Yoder dagegen gibt zwar den Charmeur mit lockeren Sprüchen, doch der Tod von Kameraden macht ihn rasend vor Wut. Dass sich das Spiel auf wenige Charaktere konzentriert, kommt ihm sehr zugute.

Fantastische Musik, doch Probleme beim Ton
Der Sound macht den Dialogen allerdings manchmal ebenso zu schaffen wie die Grafik. So sind die Gesichter mancher Figuren, etwa Gerry Harding, weniger gut animiert als andere, die mit Augenzwinkern, Stirnrunzeln oder schüchternem Lächeln durchaus überzeugend rüberkommen. Zudem leidet vor allem die deutsche Sprachausgabe unter verschieden lauten Stimmen und Verzerrungen. Bei allen Sprachen fällt zudem der teils störende Musikeinsatz unangenehm auf - so werden emotionale Szenen vom Orchester oftmals geradezu übertönt. Dabei ist die Musik von Filmkomponist John Williams fantastisch, sie bringt den Spieler mitten in die Welt der prähistorischen Riesen, wirkt passend zum jeweiligen Szenario Furcht wie Ehrfurcht einflößend.

Hübsche Dinos, traurige Grafik
Die Optik kann mit Musik und Geschichte leider nicht mithalten, wie schon die Screenshots (siehe Infobox) klar belegen. Die Landschaft ist detailarm und kantig, die Grafik hoffnungslos veraltet. Dass sich trotz alledem Spannung einstellt, liegt an der hervorragenden Kameraführung, die an Kinofilme erinnert, und den hübsch anzusehenden Dinosauriern. Auch wenn man angesichts der Frage, wie überragend dieses Spiel mit gestochen scharfer Grafik und Bewegungsfreiheit à la Lara Croft hätte sein können, wehmütig wird - die Entwickler haben ihre Möglichkeiten erkannt und sich auf ihre Stärken konzentriert.

Fazit: Trotz aller Negativpunkte schafft es "Jurassic Park: The Game", den Spieler mitzureißen in die spannende Welt der Dinosaurier. Actionreiche Szenen um Leben und Tod wechseln sich mit guten Dialogen in einer spannenden Geschichte ab, die immer wieder Schreckmomente liefert, aber auch für einige Lacher gut ist. Wer auf ein Adventure gehofft hatte, Quicktime-Sequenzen hasst und auf gute Grafik steht, sollte von diesem Spiel wohl dennoch die Finger lassen. Wer aber vom ersten Kinofilmen fasziniert war und die Geschichte aus neuen Perspektiven erleben möchte, kann getrost einen Punkt zur Wertung hinzufügen. "Jurassic Park: The Game" ist eben mehr interaktiver Film als echtes Spiel.

Plattform: PC (getestet; reiner Download-Titel), Xbox 360, PS3, Mac
Publisher: Telltale Games
krone.at-Wertung: 7/10

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