Game-Blockbuster

"Uncharted 3": Seichtes Kino für die Sony-Konsole

Spiele
07.11.2011 13:42
Je größer die Erwartungen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass diese nicht erfüllt werden und eine Enttäuschung bevorsteht. Nach dem überragenden Erfolg des Vorgängers kann der dritte Teil von Sonys Schatzsucher-Spiel "Uncharted", Untertitel: "Drake's Deception", demnach nur verlieren. Und tatsächlich wird der Titel den an ihn gestellten Ansprüchen in mancherlei Hinsicht nicht gerecht.

"Uncharted 3: Drake's Deception" ist wie ein Blockbuster aus Hollywood: Rasant, bis oben hin vollgepackt mit Action, markigen One-Linern, viel Dramatik und einer Prise Romantik fürs Herz. Aber bei genauerer Betrachtung eben auch ein wenig seicht und vorhersehbar. Kein Tarantino also, sondern bestenfalls ein Michael Bay, bei dem etwas weniger manchmal wesentlich mehr gewesen wäre.

Störend fallen vor allem zwei Dinge auf: die hahnebüchene Action und die Vorhersagbarkeit, mit der diese über Nathan Drake und seine Freunde hereinbricht. Es wirkt schlichtweg abgedroschen, wenn Drake zum x-ten Mal resigniert vor verschlossenen Türen steht, nur um dann wie die Huberbuam ihre Milchschnitte nach einem alternativen Weg hinein zu suchen. Kaum drinnen, bricht - so sicher wie das Amen im Gebet - alles in sich zusammen, was vorher Jahrhunderte überdauert hat, oder geht in Flammen auf.

Doch ehe sich der Held hüpfend über unter seinen Füßen einstürzende Gemäuer in Sicherheit retten kann, gilt es noch, in den entlegensten Winkeln der Erde Dutzende Feinde ins Jenseits zu befördern, was selbst in den beiden einfachen Schwierigkeitsgraden zur echten Herausforderung werden kann. Denn die Bösewichte, ob gepanzert oder nur mit einem dünnen Gilet bekleidet, stecken gerne erst eine Handvoll direkter Treffer in Kopf und Oberkörper ein, ehe sie das Zeitliche segnen. Das kann schnell frustrierend werden, zumal Drake im Kampf nicht dieselben Nehmerqualitäten besitzt.

Fast schon zu viel der guten Action
Dabei ist der Protagonist doch sonst so widerstandfähig: Nach Tsunami-Welle, Schiffsuntergang und einem Box-Kampf über den Wolken plus anschließendem Flugzeugabsturz krabbelt der Held noch zwei Tage ohne Wasser durch die Wüste, um im Anschluss abermals die Wände hoch zu kraxeln – die Tür war schließlich zu. Als ihm dann noch der Feind gegenübersteht, muss selbst Drake feststellen: "Das wird langsam lächerlich."

Zugegeben: Auch anderen Spielen mangelt es an Realismus. Gott sei Dank, denn wäre jedes Spiel bis ins kleinste Detail wirklichkeitsnah, bliebe der Spaß auf der Strecke. Doch gerade weil Drake und seine Kameraden so ungemein realistisch in Szene gesetzt wurden und fast schon menschlich miteinander agieren, wirkt die Action mit ihren sich wiederholenden Gameplay-Elementen oftmals konstruiert.

Story mit überraschenden Wendungen
Doch ehe die Fans jetzt aufschreien und protestieren: Unterm Strich ist "Uncharted 3" nach wie vor ein großartiges Spiel und gehört mit zum Besten, was das Spielejahr 2011 zu bieten hat. Das liegt zunächst an der Story, die den abermals auf den Spuren seines Vorfahren Francis Drake wandelnden Protagonisten Nathan vom verregneten London über Syrien schlussendlich in die verloren geglaubte Stadt Ubar führt.

Im Mittelpunkt steht auf dem Weg dorthin jedoch weniger die Suche nach dem Schatz, als die Beziehung zwischen Nate und seinem alten Freund Sully – Flashback in die Jugend inklusive. Im Gegensatz zur sich wiederholenden Action, weiß die Geschichte durchaus mit der einen oder anderen unvorhergesehenen Wendung zu überraschen.

Optischer Hingucker
Zweiter großer Pluspunkt ist und bleibt die Optik. Was die Entwickler von Naughty Dog hier auf den Bildschirm zaubern, verdient das Prädikat "kinoreif" mehr als alles andere. Die Kinnlade senken lassen vor allem die vielen kleinen Details und Animationen, etwa wenn Nate in der Wüste über den Kamm einer Düne schlendert und dabei mit jedem Schritt feiner Sand hinabrieselt. Oder wenn er mit zunehmender Erschöpfung nur mehr torkelt anstatt zu rennen und sich nach einem Rempler vor Schmerzen an die Schulter fasst.

Großes Kino sind auch die diversen Schauplätze, allen voran die Levels an und auf dem Wasser, in denen der Wellengang das Zielen erschwert, oder die Wüste mit ihrem Sandsturm, der es fast unmöglich macht, den Feind ausfindig zu machen. Sound, Musik und Synchronsprecher passen dabei jeweils wie die Faust aufs Auge und tragen zum überaus positiven Gesamteindruck bei.

Neuerungen im Multiplayer
Zu guter Letzt wurde auch am Multiplayer-Part gefeilt. Während die Kampagne bis auf das überarbeitete Nahkampf-System mit Kontermöglichkeit und verbesserten Deckungsmöglichkeiten praktisch nichts Neues zu bieten hat, können sich Online-Gamer neuerdings unter anderem über einen Charakter-Editor, dynamische Maps, einen Deathmatch-Modus für drei Teams, den storybasierten Koop-Modus und neue Community-Features freuen.

Fazit: Kraxeln, ballern, knobeln - seinem Mix aus Shooter und Action-Adventure bleibt auch Teil drei von Sonys "Uncharted"-Serie treu. Das ist allerdings zugleich der größte Kritikpunkt, denn wirkliche Neuerungen sucht man vergeblich, weshalb "Drake's Deception" auch knapp die Höchstwertung seines Vorgängers verfehlt. Dennoch: Gute Action in grandioser Optik mit noch dazu glaubhaften Charakteren gibt es reichlich - fast schon zu reichlich. Für Teil vier wünschen wir uns etwas weniger vom Gleichen und dafür wieder mehr Abwechslung.

Plattform: PS3
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 9/10

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