07.11.2011 10:33 |

"Krone"-Interview

Hypo Alpe Adria: Insider Karl-Heinz Moser packt aus

Bei der Kapitalerhöhung der Hypo Alpe Adria 2006 haben auch zwei prominente Kärntner mitverdient: der frühere Klagenfurter SPÖ-Vizebürgermeister Siegbert Metelko und der Wirtschaftsprüfer und damalige Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bank, Karl-Heinz Moser. Metelko ließ die "Kärntner Krone" lediglich wissen, dass es von ihm keinen Kommentar dazu gebe. Moser dagegen stellte sich den Fragen.

"Krone": Sind Sie als Ex-Aufsichtsrat ein "Kriegsgewinnler" bei der Hypo?
Karl-Heinz Moser: Nein, eher müsste man mir das Verdienstkreuz des Landes Kärnten überreichen. Ich habe im allerkritischsten Augenblick wegen der Eigenkapital-Knappheit der Bank Kapital organisiert. Die Hypo hat 2006 nach den Swap-Verlusten 250 Millionen Euro gebraucht.

"Krone": Aber Sie haben dabei gut verdient.
Moser: Zehn Millionen hat die GraWe als Miteigentümerin der Hypo gegeben, fünf Millionen sind von mehreren Leuten aufgebracht worden.

"Krone": Angeblich wurden aus diesen 15 Millionen Euro sogar fantastische 33 Millionen.
Moser: Das ist völliger Schwachsinn! Aus diesem, damals mit höchstem Risiko investierten Kapital wurde eine jährliche Rendite von zirka 20 Prozent erwirtschaftet. Woher die Zahl 33 Millionen kommt, ist mir schleierhaft. Anscheinend hat da jemand Plus und Minus zusammengezählt, um den Neidkomplex zu bedienen.

"Krone": Ist es nicht ein schiefes Bild, dass Sie als Aufsichtsrat investiert haben?
Moser: Gut, dass Sie mich das fragen. Gerade als Aufsichtsrat habe ich die Aufgabe, dem Unternehmen zur Seite zu stehen. Es ist völlig korrekt, dass Aufsichtsräte und Vorstände ohne Begrenzung in nicht börsenotierte Betriebe investieren dürfen.

"Krone": Jetzt ist die Aufregung groß, dass die Staatsanwaltschaft nicht gegen Sie und einen weiteren Aufsichtsrat, GraWe-Chef Othmar Ederer, wegen Bilanzfälschung ermittelt, da das Delikt angeblich verjährt ist.
Moser: Zur Verjährung: Das ist völlig irrelevant. Was nicht strafbar ist, kann auch nicht verjährt sein. Die Staatsanwaltschaft hat von sich aus erklärt, dass gegen mich und Ederer kein Verfahren eingeleitet wird, weil der Verdacht nicht als gegeben erachtet wurde.

"Krone": Hat Ihr Investment etwas mit den ominösen Vorzugsaktien zu tun?
Moser: Hier werden leider ständig zwei ganz unterschiedliche Kapitalerhöhungen vermengt. Die 250 Millionen sind komplett unabhängig von den Vorzugsaktien. Mit denen habe ich überhaupt nichts zu tun.

"Krone": Es gibt aber Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschung in den Jahren 2006 und 2007. Da waren Sie zeitweise Vorsitzender des Aufsichtsrates.
Moser: Ich bin darin überhaupt nicht involviert, da die Abwicklung des Verkaufs der Vorzugsaktien ausschließlich in den Kompetenzbereich der Vorstände gefallen ist. Der Aufsichtsrat war damit nicht befasst.

"Krone": Hätten Sie es wissen müssen?
Moser: Ob der Aufsichtsrat vom Vorstand hätte informiert werden müssen, ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen. Der Aufsichtsrat wurde jedenfalls nicht informiert.

"Krone": Unabhängig von diesen Geschichten ist die Hypo jetzt ein Sanierungsfall. Wissen Sie als ehemaliger Aufsichtsrat, wohin die Milliarden verschwunden sind?
Moser: Nein, das kann ich aus der Berichterstattung nicht nachvollziehen. Zu meiner Zeit (2005 bis Mitte 2006; Anm.) hat sich die Entwicklung der Bank äußerst positiv dargestellt. Man darf nicht vergessen: 95 Prozent des Hypo-Geschäfts ist im Ausland.

"Krone": Und wer ist dann an dem Desaster aus Ihrer Sicht schuld?Moser: Damals habe ich den Verkauf an die BayernLB als äußerst positiv gesehen. Rückblickend erweist sich das leider als krasse Fehlentscheidung. Nachdem die BayernLB 2009 wohl den Glauben an ihr eigenes Unternehmen wegen der Probleme mit Milliarden-Verlusten mit US-Papieren verloren hat, hat sie die Hypo in den Abgrund geführt.

"Krone": Es schaut so aus, als ob die Bayern dafür noch belohnt werden. Ihnen wurde bei der Verstaatlichung zugesichert, dass sie bis 2013 rund vier Milliarden Euro zurückbekommen.
Moser: Das ist einmalig bei der Sanierung eines Unternehmens. Normalerweise verbleibt bei der Übernahme einer angeschlagenen Firma das Geld des Verkäufers so lange im Unternehmen, bis es saniert ist. Das nennt man Besserungsklausel, und genau die fehlt im Vertrag zwischen Österreich und der BayernLB. Das hat in der Fachwelt Verwunderung ausgelöst.

"Krone": Es heißt, dass die Verstaatlichung unumgänglich war, um Kärnten wegen der hohen Landeshaftungen vor der Pleite zu retten. Finanzministerin Maria Fekter sieht Kärnten deshalb als Klotz am Bein der Österreicher.
Moser: Mir wird ewig ein Rätsel bleiben, warum der Staat Österreich eine Staatsbank – die BayernLB und damit auch die Mehrheit an der Hypo gehörte dem Freistaat Bayern – verstaatlichen musste. Zu den Kärntner Landeshaftungen: Im Fall einer Insolvenz wären zuerst die Haftungen des bayerischen Staates schlagend geworden.

"Krone": Wer hat eigentlich den Vertrag über die Verstaatlichung gemacht?
Moser: Die Finanzprokuratur unter deren Präsidenten Wolfgang Peschorn.

"Krone": Als Chef der sogenannten CSI-Hypo ermittelt Peschorn jetzt schon seit zwei Jahren über die Hypo.
Moser: Diese Doppelfunktion ist vielleicht nicht glücklich.

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