Der Erste Mai ist der Tag der Arbeit. Mehr als 604 Millionen Arbeitsstunden wurden von den Tiroler „Hacklern“ und Angestellten geleistet. Grund genug, die „Arbeit in Tirol“ genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Gespräch mit der zuständigen Landesrätin Astrid Mair (ÖVP) erklärt sie, wie sich „Leistung lohnen“ soll und wie sie Pensionistinnen und Pensionisten länger in der Arbeitswelt halten möchte.
Am 1. Mai 1856 wurde am anderen Ende der Welt, nämlich in Australien, der 8-Stunden-Tag von der Bevölkerung gefordert. In Anlehnung daran gab es schließlich am 1. Mai 1886 einen Generalstreik in den USA - mit der gleichen Forderung. In letzter Zeit werden wieder Stimmen für eine erneute Arbeitszeitverkürzung laut. Landesrätin Astrid Mair (ÖVP) hält davon nichts. Eine 4-Tage-Woche bei vollem Lohn kann sie sich vorstellen, aber nur, wenn die Arbeitszeit nicht verkürzt wird.
„Krone“: Frau Landesrätin Mair, Stichwort „Leistung muss sich lohnen“: Was meinen Sie damit konkret?
LR Astrid Mair: Ganz grundsätzlich ist es wichtig, dass Menschen, die arbeiten, sich das Leben auch leisten können. Für die Motivation jedes Einzelnen ist es entscheidend, dass man durch die geleistete Arbeit auch entsprechende Perspektiven bekommt. Als Seniorenlandesrätin ist es mir auch ein besonderes Anliegen, jene Menschen im Arbeitsmarkt zu halten, die das Pensionsalter erreicht haben, aber noch leistungsfähig und arbeitswillig sind. Steuerliche Erleichterungen von Erwerbseinkommen neben dem Pensionsbezug bzw. die Reduktion oder Abschaffung der Pensionsbeiträge wären hier ein Schritt in die richtige Richtung.
Inwiefern kann man die erbrachte Leistung von Arbeitnehmern noch besser entlohnen?
Eine von vielen Ideen ist es, den rechtlichen, insbesondere den steuerrechtlichen Rahmen, anzupassen, um dementsprechend eine adäquate Entlohnung der erbrachten Leistung sicherzustellen.
In manchen Fällen muss das eigene Konsumverhalten überdacht werden, da in unserer Gesellschaft leider oft auch der Druck besteht, Dinge zu besitzen, die man sich eigentlich nicht leisten kann und die man vielleicht auch nicht für ein gutes Leben braucht.
LR Astrid Mair (ÖVP)
Vor allem Frauen sind durch Sorgearbeit oftmals in der Teilzeitfalle.
Besonders wichtig ist es, Frauen, die in den Arbeitsmarkt zurückkehren, einen bestmöglichen Wiedereinstieg zu ermöglichen. Dazu bedarf es einerseits ein entsprechendes Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten und andererseits aber auch neue Denkmodelle, wie z.B. Top- und Job-Sharing. Hier geht es darum, dass speziell Frauen in Teilzeit auch Führungspositionen ausüben können.
Der 4-Tage-Woche bei vollem Lohn steht meiner Ansicht nichts im Wege, solange die geleistete Wochenarbeitszeit nicht verkürzt wird bzw. gleich bleibt.
LR Astrid Mair (VP)
Wie kann man sicherstellen, dass Menschen, die Vollzeit arbeiten, mit ihrem Gehalt, ihrem Lohn bis zum Ende des Monats auskommen?
Es muss möglich sein, mit dem Lohn, den man verdient, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. In manchen Fällen muss das eigene Konsumverhalten überdacht werden, da in unserer Gesellschaft leider oft auch der Druck besteht, Dinge zu besitzen, die man sich eigentlich nicht leisten kann und die man vielleicht auch nicht für ein gutes Leben braucht. Mit gezielten Förderungen, wie dem Familienpass, versuchen wir dem Phänomen entgegenzutreten.
Wie stehen Sie zur 4-Tage-Woche bei vollem Lohn?
Der 4-Tage-Woche bei vollem Lohn steht meiner Ansicht nichts im Wege, solange die geleistete Wochenarbeitszeit nicht verkürzt wird bzw. gleich bleibt.
Wie ist die Zukunft von „Arbeit“ zu denken?
Der Arbeitsmarkt muss auf die sich ändernden Bedürfnisse der Menschen reagieren! Von flexiblen Arbeitszeitmodellen, über Top- und Jobsharing bis hin zu Homeofficeregelungen und verbesserter Kinderbetreuungsinfrastruktur in allen Bezirken gibt es in allen Bereichen große Herausforderungen. Bei all diesen Maßnahmen ist es aber wichtig, auch zu vermitteln, dass „work“ kein Widerspruch zu „life“ darstellt, sondern im Gegenteil - eine sinnvolle und erfüllende Arbeit bereichert das Leben ungemein.
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