Die Raiffeisen-Landesbank Steiermark präsentiert eine gute Bilanz für das Jahr 2022. Sorge bereitet die sinkende Kreditnachfrage, das Russland-Geschäft der RBI hingegen weniger. Bei den Zinsen stehen weitere Erhöhungen bevor.
Jahrelang hat Martin Schaller scharfe Kritik von Raaba-Grambach aus nach Frankfurt ausgerichtet: Dass die dort angesiedelte Europäische Zentralbank (EZB) stets an der Null-Zins-Politik festhielt, konnte der Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark nicht nachvollziehen. Seit dem Vorjahr werden die Leitzinsen von der EZB aber rasant angehoben: Von einer „Notbremsung“ und einem „Schock“ spricht Schaller: „Man hätte vor fünf Jahren mit kleineren Erhöhungen beginnen sollen.“
Der Banker rechnet bis Sommer mit zwei weiteren Leitzinserhöhungen von je 0,25 Prozent. „Dann kann ich mir eine Nachdenkpause vorstellen.“ Wobei er historisch einordnet: „Wir sind derzeit noch immer nicht in einer Hoch-, sondern in einer ganz normalen Zinsphase.“
„Sehe keine Rezession auf uns zukommen“
Schaller kann trotz des herausfordernden Umfelds (hohe Inflation, Krieg in der Ukraine, Arbeitskräftemangel) eine gute Bilanz für 2022 präsentieren (siehe Fakten-Box) und ist auch für heuer optimistisch: „Wir sehen derzeit keine Rezession auf uns zukommen.“
Was allerdings Sorgen bereitet, ist der starke Rückgang bei Neukrediten: „Für junge Leute wird es immer schwieriger, neues Eigentum zu schaffen.“ Die Politik sei hier gefordert, etwa indem sie Kredite, die von mehreren Generationen einer Familie getragen werden („Generationenkredite“), erlauben würde. „Ich verspüre aber keinen politischen Willen dazu.“
Wir werden unser Filialnetz weiter anpassen, aber immer die regionalste Bank der Steiermark bleiben.
Martin Schaller
Keine Turbulenzen wie bei der Credit Suisse
Gelassener sieht Schaller die jüngsten Turbulenzen bei internationalen Banken wie der Credit Suisse: „Bei uns dominieren kleinvolumige Kundeneinlagen.“ Sie machen 82 Prozent der Einlagen aus, im Schnitt sind es 15.000 Euro. Der Abzug institutioneller Gelder sei keine Gefahr.
Als „gut verdaubar“ bezeichnet Schaller zudem einen möglichen Verkauf oder eine Abspaltung des heftig kritisierten Russlands-Geschäfts der Raiffeisenbank International. An der RBI halten die Steirer zehn Prozent der Anteile. Näher kommentieren wollte Schaller als RBI-Aufsichtsratsmitglied die Causa nicht.
Energie-Steiermark-Kauf: Zweiter Anlauf denkbar
Eine noch offene Wunde dürfte der gescheiterte Kauf der 25-Prozent-Anteile an der Energie Steiermark sein. Raiffeisen hatte sich mit einem Konsortium beworben, das Land hat die Anteile aber letztlich selbst übernommen. Schaller schließt nicht aus, dass es einen zweiten Anlauf geben könnte, wenn das Land wieder verkauft: „Wir werden uns das sehr ernsthaft ansehen.“
Die Stimmung zwischen Land Steiermark und RLB sei jedenfalls „korrekt“: „Geschäft ist Geschäft“, meinte Schaller abschließend dazu.








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