Di, 21. August 2018

Spektakuläre Neuheit

23.09.2011 18:24

Forscher lesen Gedanken und zeigen sie als Video

Forschern der University of California in Berkeley ist ein faszinierendes, aber zugleich gespenstisches Experiment gelungen: Sie haben ein Programm geschult, Gedanken zu lesen und in Videos zu verwandeln (siehe YouTube-Clip oben). So könnte es in Zukunft zum Beispiel möglich werden, die eigenen Träume digital zu speichern.

"Das ist ein bedeutender Schritt in Richtung der Rekonstruktion innerer Bilder. Wir öffnen das Fenster zu den Filmen in unseren Köpfen", beschreibt Professor Jack Gallant, Neurowissenschaftler der UC Berkeley, das geglückte Experiment in einer Aussendung der Universität.

Ihre Ergebnisse haben die Forscher soeben im Magazin "Current Biology" veröffentlicht. Und die sind - wie das Video beweist - schier unglaublich. Den Versuchspersonen wurden zwei verschiedene Arten von Filmtrailern vorgespielt, während sie an Geräte zur funktionellen Magnetresonanztomographie, kurz fMRT, angeschlossen waren. Das bildgebende Verfahren zeigt in hoher Auflösung aktivierte Hirnareale.

Lernfähiges Programm
Die vom fMRT gelieferten Daten wurden in ein Computerprogramm gespeist, das sie in dreidimensionale Pixel-Einheiten - sogenannte Voxel (für Volumetric Pixel) - umwandelte. So wurden die Vorgänge im Gehirn, während es bewegte Bilder verarbeitet, decodiert. Je mehr Daten verfügbar waren, desto besser lernte die Software, wie das Gesehene und die Daten aus dem Gehirn zusammenhängen.

Software montiert Clips zu einem Video zusammen
Im nächsten Schritt ließen die Forscher das derart vorbereitete Programm 18 Millionen willkürlich ausgewählte YouTube-Videos analysieren. Die Software bildete daraus eine Datenbank an möglichen Hirnaktivitäten, die diese Videos auslösen könnten. Aus den Millionen an Clips wählte das Programm dann einhundert aus, die möglichst ähnliche Hirnaktivität wie jenes Video, das die Versuchsperson gesehen hatte, auslösen. Diese einhundert Clips hat das Programm anschließend zu einem Video zusammenmontiert - dieses zeigt mit erstaunlicher Ähnlichkeit, was der Mensch gerade sah.

Zukunfsszenario: Gedanken lesen und Träume aufzeichnen
Das entstandene Video bildet demnach nicht exakt ab, was der Mensch sieht, sondern stellt eine Rekonstruktion seiner Seheindrücke dar. Noch sind die Ergebnisse lediglich niedrig aufgelöst und verschwommen, doch die Technologie birgt gewaltiges Potenzial. In Zukunft könnte es so einfach möglich sein, mit eigenen Augen zu sehen, was eine andere Person sieht oder auch nur denkt. Erstmals rückt zudem die Vorstellung, Träume vom Reich des Schlafs in die Wirklichkeit zu holen, in greifbare Nähe - indem sie nachts einfach aufgezeichnet und als Videos gespeichert werden.

Gefahr totaler Überwachung
Zugleich lauern jedoch Gefahren - noch sind große fMRT-Geräte nötig, um Gedanken zu entschlüsseln. Doch was, wenn sie kleiner oder sogar tragbar werden, wenn von der Polizei bis zum Kaufhaus jede mögliche Institution und Firma die Gedanken des Menschen durchforsten kann? Wie sich die Technologie entwickelt, bleibt demnach abzuwarten - faszinierend ist sie in jedem Fall.

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