Innovative Idee

Ein Solarkraftwerk an der eigenen Hausfassade

Vorarlberg
07.03.2023 06:40

Alexander Moosbrugger entwickelte ein Fassadensystem für PV-Anwendungen. Die ersten Ideen dafür hatte er bereits vor zehn Jahren, als noch auf Bastellösungen gesetzt wurde.

In Lochau, wo einst der Gründer der Diem-Werke die ersten Betonmischer mit Getriebemotor entwickelte, sitzen auch heute wieder kreative Köpfe. Manuel Hehle hat ein Gebäude auf dem jetzigen Bäumle-Areal gekauft und im „Loft“ einen Co-Working-Place eingerichtet. Das „Loft“ soll nun als Innovationshub mit Schwerpunkt Immobilien und Digitalisierung dienen.

Einige Gründer haben sich dort eingemietet, einer davon ist der Bregenzer Alexander Moosbrugger. Der gelernte Tiefbauingenieur und Betriebswirt hat mehrere Jahre bei einer Glas-Firma gearbeitet. Im Jahr 2008 kam er dort erstmals in Berührung mit Photovoltaik-Fassaden und hat danach gemeinsam mit einer deutschen Firma einige Projekte realisiert. „Das waren so Bastellösungen. Wir haben probiert und getestet. Ich habe mich um Glasbefestigung und Statik gekümmert, eine deutsche Firma hat die Glas-Glas-Module entwickelt“, erzählt er.

Sonnenstrom am Kindercampus in Höchst
Eine dieser älteren Bastellösungen Moosbruggers ist in Höchst zu sehen. Der 2013 errichtete Kindercampus wurde damals mit Dünnschichtmodulen, kombiniert mit farblich angepassten Emailglas, ausgestattet und liefert noch heute verlässlich Strom. „Damals hatte ich erstmals die Idee, ein komplettes Fassadensystem für PV-Anwendungen zu bauen und habe auch einen Businessplan erstellt.“ Mit der Solar- und Photovoltaik-Industrie allerdings ging es in dieser Zeit steil bergab. Es blieben nur wenige Fertiger, die sich auf Glas-Glas-Module spezialisiert hatten.

7000 Fassadensysteme

sollen bis zum Jahr 2025 umgesetzt werden. Gemäß Potenzialanalyse des Fraunhofer-Instituts lassen sich alleine in Deutschland 2200 Quadratkilometer Bestandfassaden nutzen.

Inzwischen ist vieles wieder im Aufbau. Das Geschäft mit Photovoltaikanlagen brummt - und so holte auch Moosbrugger vergangenen Sommer den alten Businessplan wieder aus der Schublade. „Ich habe mir die Rahmenbedingungen angeschaut - welche Angebote und Anbieter es gibt, wie sich die Wirkungsgrade verändert haben.“

Der Businessplan war schnell überarbeitet. Moosbrugger präsentierte diesen am Co-Working-Place in Lochau. Manuel Hehle, Experte im Modulbau und über 14 Jahre im Bankensektor tätig, war begeistert. „Ich habe sofort gesagt, dass wir das umsetzen müssen. Denn es gibt immer noch kein Unternehmen, das Komplett-Lösungen für Bestandsfassaden anbietet.“

Zusätzlicher Aufwind durch Studie aus Deutschland
Für zusätzlichen Aufwind hätte zudem eine Studie des deutschen Frauenhofer Instituts gesorgt, deren Aussage unter anderem die war, dass die Energiewende in Deutschland ohne Fassadenlösungen nicht funktionieren werde. „Das Potenzial an Süd-, Süd-West- oder Süd-Ost-Seiten von Gebäuden ist sehr hoch. Je nach Sonnenstand im Winter sogar höher als bei Dachanlagen“, erklärt Hehle. In naher Zukunft sei deshalb eine Expansion Richtung Nordeuropa in Planung.

Zunächst aber liegt der Fokus auf der D-A-CH-Region. Seit Oktober laufen die Pläne für das Startup auf Hochtouren, im Jänner wurde das Unternehmen gegründet, im Februar der erste Mitarbeiter eingestellt und das Patent für das PV-Fassadensystem angemeldet. Bereits Ende April sollen die ersten Fassaden mit dem neu entwickelten System bestückt werden.

Zitat Icon

Das Potenzial an Süd-, Süd-West- oder Süd-Ost-Seiten ist sehr hoch. Je nach Sonnenstand im Winter sogar höher als bei Dachanlagen.

Manuel Hehle

Was macht Moosbrugger und Hehle sicher, dass ihre Idee erfolgreich sein wird? „Wir glauben, dass ein Großteil der PV-Anlagen an bereits bestehende Gebäude angebracht werden wird. Unser System ist darauf ausgelegt, dass es nachträglich an ein Wärmedämmverbundsystem gebaut werden kann“, erklärt Moosbrugger.

Glas-Glas-Module sind jederzeit zugänglich
Die schweren Glas-Glas-Module, werden in spezielle Halter gesteckt, die an der Fassade montiert sind, und sind - im Fall der Fälle - jederzeit zugänglich. „Solche Lösungen machen vor allem bei Industrieunternehmen Sinn, die große Außenflächen und wenig Dach haben“, ergänzt Hehle. Grundsätzlich aber würden sich alle Immobilientypen anbieten. Derzeit ist das Gründer-Duo auf der Suche nach passenden Objekten. „Wir möchten einen breiten Querschnitt an Pilotprojekten haben. Vom Einfamilienhaus, über Wohnanlagen bis hin zur Industriehalle.“

An der Hardware wurde in den vergangenen Monaten viel gefeilt, Lösungen für Statik- oder Brandschutzprobleme gefunden. In naher Zukunft wird es dann an die Software gehen. „Das Ziel ist, dass ein Haus fotografiert wird und ein entsprechendes Programm aufgrund der vorhandenen Daten - Sonnenstunden, Ausrichtung und ähnliches - erkennt, ob sich das Haus zum neuen Kraftwerk umbauen lässt.“

Mit diesen Planungen werden Alexander Moosbrugger und Manuel Hehle dann aber nicht mehr befasst sein. „Wir sind nur Systemlieferant und im B2B-Bereich tätig sein. Das heißt, dass wir beispielsweise an Fassadenbauer liefern.“

200 Fassaden will das Gründer-Duo noch bis Jahresende mit Solar-Modulen ausstatten. In Zeiten der Energiekrise eine durchaus erfolgversprechende Idee.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Vorarlberg
07.03.2023 06:40
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

5° / 19°
Symbol wolkenlos
6° / 23°
Symbol wolkenlos
6° / 22°
Symbol wolkenlos
5° / 22°
Symbol wolkenlos
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt