Kurz-Aufstieg als Film

ÖVP wettert gegen ORF: „Links-linke Verleumdung“

Politik
11.02.2023 16:21

Ein neues Kinoprojekt des österreichischen Filmmachers Kurt Langbein sorgt derzeit offenbar für Ärger in der türkisen Parteizentrale. Denn unter dem Arbeitstitel „Projekt Ballhausplatz“ soll eine Dokumentation den Aufstieg von Sebastian Kurz zum Bundeskanzler und den Umbau der einst schwarzen ÖVP in die türkise „Neue Volkspartei“ zeigen - in der ÖVP ist man darüber „not amused“ und spricht von „medialer Denunzierung“.

Konkret eingeschossen hat sich die Volkspartei auf die ORF-Förderung des besagten Projekts. Damit komme der Sender seinem gesetzlichen Programmauftrag nicht nach. „Im Gegenteil, er unterstützt linke Parteipropaganda“, so ÖVP-Mediensprecher Kurt Egger. „Nach allem, was man bisher weiß, wird das bloß eine links-linke Verleumdung des ehemaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz.“

Filmprojekt über Kurz-Aufstieg
„Projekt Ballhausplatz“ ist eines von 15 neuen Kinoprojekten, das der ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens fördert. Insgesamt werden 3,2 Mio. Euro für alle Vorhaben aufgewendet. Der Name bezeichnet ein im Nationalratswahlkampf 2017 aufgetauchtes Strategiepapier, mit dem Kurz bzw. sein Umfeld die Übernahme der ÖVP-Parteiführung von Reinhold Mitterlehner, den Umbau zur türkisen „Neuen Volkspartei“ und die ersten 100 Tage nach dem Einzug ins Kanzleramt minutiös geplant haben sollen. Nach dem Bekanntwerden hatte die ÖVP massive Zweifel an der Echtheit des Papiers angemeldet - später wurde eingeräumt, dass Teile doch echt seien.

In Film-Form will man das in der ÖVP nicht sehen - zumindest nicht vom ORF unterstützt. Dieser finanziere „ein vermeintliches, nie als authentisch erwiesenes ,Projekt Ballhausplatz‘ mit öffentlichen Mitteln“, kritisierte Egger. „Man muss hier ganz klar nochmal in Erinnerung rufen: Es ist unser aller hart verdientes Geld, das hier für mediale Denunzierung rausgeschmissen wird.“ Ebenso wisse niemand, warum der ORF vor zwei Jahren den Film „Bauer und Bobo“ des „Falter“-Chefredakteurs Florian Klenk unterstützt habe. Übrigens wurde auch dieser Film von Kurt Langbein produziert. 

Kommt Kurz‘ engster Kreis zu Wort?
Inhaltlich soll „Projekt Ballhausplatz“ Film nachzeichnen, „wie es einer Gruppe junger Männer gelang, die Regierung zu übernehmen und bis an den Rand der Demokratie zu führen“, hieß es seitens der Produktionsfirma. Dabei soll beleuchtet werden, „was die ,Prätorianer‘ antrieb und weshalb ihnen fast das ganze Land zu Füßen lag“. Im antiken Rom waren die Prätorianer die kaiserliche Garde, im Zusammenhang mit dem Ex-Bundeskanzler Kurz wurde damit oft sein nächstes Umfeld an Beratern und Vertrauten tituliert.

Man darf gespannt sein, ob vielleicht der eine oder andere auch in der Dokumentation zu Wort kommen wird. Zu sagen hätten sie wohl einiges. 

Publizist: „Keine konkreten Kritikpunkte“
Der stellvertretende Vorstand des Instituts für Publizistik der Uni Wien und Präsident der Österreichsektion von Reporter ohne Grenzen (RSF), Fritz Hausjell, verteidigte den ORF: „Würde der ORF nicht kofinanzieren, müsste man ihm vorwerfen, dass er ein solides Projekt eines der renommiertesten Dokumentarfilmer Österreichs aus Angst anzuecken nicht unterstützt.“ Egger führe auch keine konkreten Kritikpunkte an, meinte Hausjell. „Ich unterstelle, dass sich der ÖVP-Mediensprecher die Unterlagen dazu nicht ein einziges Mal angeschaut hat.“ Die Motive seien auch recht durchsichtig: „Das eine ist, dass man den Film einmal auf alle Fälle - egal wie er ist - gleich als Anti-ÖVP-Film labelt.“ Andererseits müsse man die Kritik auch vor dem Hintergrund der heftigen Auseinandersetzung über die künftige ORF-Finanzierung zwischen Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) und dem Sender sehen.

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